Collage zum beruflichen Neustart mit Umschulung und Quereinstieg

Umschulung oder Quereinstieg? Wege in einen neuen Beruf und wer sie bezahlt

Umschulung oder Quereinstieg? Wege in einen neuen Beruf und wer sie bezahlt


Ob der bisherige Arbeitsplatz durch einen Stellenabbau wegfällt, die Gesundheit den alten Beruf nicht mehr zulässt oder einfach der Wunsch nach etwas Neuem wächst, ein beruflicher Neustart ist auch nach vielen Jahren im Job möglich, und in Südbaden haben in den vergangenen Monaten mehrere Industrieunternehmen Stellenabbau angekündigt, was das Thema für viele Beschäftigte aktuell macht. Die beiden wichtigsten Wege heißen Umschulung und Quereinstieg, und obwohl beide Begriffe oft in einem Atemzug genannt werden, unterscheiden sie sich in Dauer, Abschluss und Finanzierung deutlich.

Dieser Überblick erklärt, was Umschulung und Quereinstieg ausmacht, unter welchen Voraussetzungen Agentur für Arbeit, Jobcenter oder Rentenversicherung eine Umschulung bezahlen, welche zusätzlichen Prämien es gibt und wie sich vorhandene Berufserfahrung auch ohne erneute Ausbildung in einen anerkannten Abschluss verwandeln lässt.

Umschulung und Quereinstieg im Vergleich

Eine Umschulung führt zu einem neuen, anerkannten Berufsabschluss, etwa als Kauffrau für Büromanagement, Fachinformatiker oder Fachkraft für Lagerlogistik, und endet mit derselben Prüfung vor der Kammer wie eine reguläre Ausbildung, ist aber in der Regel um ein Drittel kürzer und dauert bei einem dreijährigen Beruf deshalb meist zwei Jahre. Sie findet entweder bei einem Bildungsträger mit Praktika in Betrieben oder direkt in einem Unternehmen statt und eignet sich besonders für Menschen, die einen klaren Abschluss für ihren weiteren Berufsweg benötigen.

Beim Quereinstieg wechseln Berufserfahrene dagegen ohne neue Ausbildung in ein anderes Arbeitsfeld und lernen die nötigen Kenntnisse überwiegend im Betrieb, häufig ergänzt durch kürzere Weiterbildungen oder Zertifikate. Dieser Weg ist schneller und erhält das bisherige Einkommensniveau eher, setzt aber voraus, dass ein Arbeitgeber die vorhandene Erfahrung für die neue Aufgabe als ausreichend ansieht, was in Berufen mit staatlich geregelter Ausbildung wie Pflege oder Erziehung nur eingeschränkt möglich ist.

Wer eine Umschulung bezahlt

Die wichtigste Finanzierungsquelle ist der Bildungsgutschein, mit dem die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter die Kosten einer Weiterbildung übernimmt, wenn diese notwendig ist, um bei Arbeitslosigkeit wieder in Arbeit zu kommen oder eine drohende Arbeitslosigkeit abzuwenden, und auch Menschen ohne Berufsabschluss können auf diesem Weg gefördert werden. Voraussetzung ist außerdem, dass die Agentur vor Beginn berät und sowohl der Bildungsträger als auch die Maßnahme für die Förderung zugelassen sind, weshalb die Reihenfolge wichtig ist und das Beratungsgespräch vor der Anmeldung bei einem Bildungsträger stattfinden sollte.

Kann der bisherige Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausgeübt werden, kommt die Deutsche Rentenversicherung als Kostenträger in Frage, die im Rahmen der Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben auch Umschulungen finanziert und während dieser Zeit in der Regel ein Übergangsgeld zahlt. Beschäftigte, deren Tätigkeit durch den Strukturwandel bedroht ist, können zudem gemeinsam mit ihrem Arbeitgeber Förderprogramme für Beschäftigte nutzen, zu denen seit April 2024 auch das Qualifizierungsgeld gehört.

Dauer der Umschulung und Ausnahmen

Nach dem Sozialgesetzbuch muss eine geförderte Umschulung gegenüber der regulären Ausbildung grundsätzlich um mindestens ein Drittel verkürzt sein, seit Juli 2023 gibt es davon jedoch wichtige Ausnahmen. Kann ein Beruf aufgrund bundes- oder landesrechtlicher Regelungen nicht verkürzt werden, wie es etwa bei der Erzieherausbildung oder den Pflegeberufen der Fall sein kann, oder ist bei einer Person aufgrund ihrer Eignung oder persönlichen Verhältnisse nur mit einer unverkürzten Dauer ein Erfolg zu erwarten, kann die Umschulung auch über die volle Ausbildungszeit gefördert werden.

Prämien und Weiterbildungsgeld während der Umschulung

Wer eine geförderte Umschulung in einem Ausbildungsberuf mit mindestens zweijähriger Ausbildungsdauer absolviert, erhält nach dem Sozialgesetzbuch eine Weiterbildungsprämie von 1.000 Euro für die bestandene Zwischenprüfung oder den ersten Teil einer gestreckten Abschlussprüfung und weitere 1.500 Euro für die bestandene Abschlussprüfung. Arbeitslose Teilnehmerinnen und Teilnehmer bekommen zusätzlich ein monatliches Weiterbildungsgeld von 150 Euro, sodass sich eine Umschulung auch finanziell spürbar lohnt.

Berufserfahrung in einen Abschluss verwandeln

Wer schon viele Jahre in einem Beruf arbeitet, ohne einen Abschluss darin zu haben, muss nicht unbedingt eine komplette Umschulung absolvieren, denn das Berufsbildungsgesetz lässt zur Abschlussprüfung auch Personen zu, die mindestens das Eineinhalbfache der regulären Ausbildungszeit in dem Beruf tätig waren. Bei einem dreijährigen Ausbildungsberuf genügen also viereinhalb Jahre einschlägige Berufserfahrung, um sich als sogenannter Externer zur Prüfung anzumelden, wobei eine Vorbereitung in Kursen dringend zu empfehlen ist.

Seit Januar 2025 gibt es zusätzlich das Validierungsverfahren, mit dem die Kammern die beruflichen Kompetenzen von Menschen ohne formalen Abschluss am Maßstab eines anerkannten Ausbildungsberufs feststellen und bescheinigen können, was besonders für Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger sowie für Ausbildungs- und Studienabbrecher interessant ist.

Welche Berufe sich für einen Neustart eignen

Besonders gute Chancen bieten Berufe, in denen Arbeitgeber dringend Personal suchen, und dazu gehören in Südbaden vor allem Pflege und Gesundheit, Erziehung und Betreuung, Logistik, IT sowie der öffentliche Dienst, für die es jeweils eigene Wege über Umschulung oder Quereinstieg gibt. Häufig gesucht werden außerdem Umschulungen im kaufmännischen Bereich, etwa zur Kauffrau oder zum Kaufmann für Büromanagement oder im Gesundheitswesen, die sich für Menschen eignen, die aus körperlich belastenden Berufen in eine Bürotätigkeit wechseln möchten.

Vor der Entscheidung lohnt sich ein ehrlicher Blick auf die eigenen Stärken und Interessen, denn eine Umschulung ist eine Investition von meist zwei Jahren, und Praktika, Probearbeitstage oder Gespräche mit Menschen, die den Beruf bereits ausüben, helfen dabei, eine fundierte Wahl zu treffen.

Umschulung und Quereinstieg auf marktplatz arbeit südbaden

Auf marktplatz arbeit südbaden, der Messe für Karriere, Studium, Aus- und Weiterbildung, bieten mehrere Aussteller Umschulungen an, unter anderem zur Kauffrau oder zum Kaufmann für Büromanagement, zum Fachinformatiker und zur Kauffrau oder zum Kaufmann für IT-Systemmanagement, zur Fachkraft für Lagerlogistik, in der Altenpflege und zum Arbeitserzieher, und hinzu kommen Quereinstiegsangebote etwa in den Straßenbetriebsdienst oder in die Kindertagespflege. Die Agentur für Arbeit und die Deutsche Rentenversicherung sind als Arbeitgeber mit eigenen Ständen vertreten, und im Karriere-Service-Center der Messe gibt es einen kostenlosen Förder-Check zu möglichen finanziellen Hilfen sowie eine Prüfung der Bewerbungsunterlagen.

Die Messe findet am Freitag, 13. November, von 14 bis 18 Uhr und am Samstag, 14. November, von 11 bis 16 Uhr in Halle 1 der Messe Freiburg statt, der Eintritt ist nach einer kostenlosen Registrierung frei, und mit dem Besuchsplaner auf marktplatzarbeit.com lässt sich vorab ein Rundgang zu allen Ständen mit Umschulungs- und Quereinstiegsangeboten zusammenstellen.