Eindrücke von der Messe für Karriere, Studium, Aus- und Weiterbildung marktplatz arbeit südbaden in Freiburg im November 2024. Auszubildende, Schüler und Berufstätige informieren sich zum Thema Berufseinstieg und Karriere bei Unternehmen aus dem Raum Freiburg und Südbaden. Hier nutzen Besucher das Button Matching als einfache Möglichkeit zur Kontaktanbahnung.

Stellen­an­ge­bote für Azubis richtig gestal­ten: Was die Genera­tion Z wirklich erwar­tet

Die Stellen­an­zeige ist oft der erste Kontakt zwischen einem Betrieb und einem poten­zi­el­len Azubi. Und oft auch der letzte. Denn was viele Unter­neh­men in ihre Ausschrei­bun­gen schrei­ben, geht an dem vorbei, was junge Menschen tatsäch­lich wissen wollen. Eine aktuelle Studie der Bertels­mann Stiftung zeigt: Zwischen dem, was Jugend­li­che von einem Stellen­an­ge­bot erwar­ten, und dem, was Betriebe liefern, klafft eine erheb­li­che Lücke.1

Was Jugend­li­che wissen wollen – und was Betriebe verschwei­gen

Das Insti­tut iconkids & youth hat im Auftrag der Bertels­mann Stiftung im Frühjahr 2025 insge­samt 1.755 junge Menschen zwischen 14 und 25 Jahren reprä­sen­ta­tiv befragt. Die Ergeb­nisse sind eindeu­tig:1

  • 97 Prozent nennen ein gutes Betriebs­klima als wichtigs­tes Krite­rium bei der Wahl des Ausbil­dungs­be­triebs.
  • 95 Prozent wünschen sich vor einer Bewer­bung konkrete Angaben zur Ausbil­dungs­ver­gü­tung.
  • Jeder Zweite schließt einen Beruf aus, wenn der Verdienst nach der Ausbil­dung schlecht ist.

Dem steht eine ernüch­ternde Reali­tät gegen­über: Nur knapp 60 Prozent der Unter­neh­men machen die Vergü­tung vor dem Bewer­bungs­ge­spräch trans­pa­rent.1 Das heißt: Vier von zehn Betrie­ben verlie­ren poten­zi­elle Bewer­ber, bevor das erste Gespräch überhaupt statt­fin­det.

Geld ist wichtig – aber nicht alles

Die Vorstel­lung, die Genera­tion Z wolle nur möglichst viel verdie­nen und möglichst wenig arbei­ten, ist ein Klischee, das den Daten nicht stand­hält. Ja, 81 Prozent der jungen Menschen nennen gute Verdienst­mög­lich­kei­ten als wichti­gen Faktor bei der Berufs­wahl.2 Aber direkt dahin­ter folgen Krite­rien, die wenig mit Geld zu tun haben:

  • 74 Prozent wünschen sich eine gute Work-Life-Balance.
  • 71 Prozent wollen abwechs­lungs­rei­che Tätig­kei­ten.
  • 67 Prozent erwar­ten moderne Lehr- und Lernkon­zepte in der Ausbil­dung.
  • 47 Prozent sehen die Unter­neh­mens­kul­tur als entschei­den­den Faktor.

Was junge Menschen also suchen, ist kein Schla­raf­fen­land – sondern ein Betrieb, der sie ernst nimmt, fair bezahlt und ihnen eine Perspek­tive bietet. Die Übernah­me­chance nach der Ausbil­dung rangiert in allen aktuel­len Befra­gun­gen weit oben.3

Der Benefits-Boom: Was Betriebe bereits anbie­ten

Viele Unter­neh­men haben verstan­den, dass eine Stellen­an­zeige heute mehr sein muss als eine Auflis­tung von Anfor­de­run­gen. Laut einer Analyse der Bertels­mann Stiftung enthiel­ten Stellen­an­zei­gen im Jahr 2024 im Schnitt 9,6 Zusatz­leis­tun­gen – in 2019 waren es gerade einmal 3,6.4

Die Verschie­bung ist dabei bezeich­nend: Während weiche Extras wie der sprich­wört­li­che Obstkorb an Bedeu­tung verlie­ren, dominie­ren inzwi­schen handfeste Vorteile. 67 Prozent der unter­such­ten Stellen­an­zei­gen enthal­ten Gehalts-Benefits wie Sonder­zah­lun­gen, Mitar­bei­ter­ra­batte oder betrieb­li­che Alters­vor­sorge.4

Auch flexi­ble Arbeits­zei­ten haben sich zum Standard entwi­ckelt: Über 60 Prozent aller Stellen­an­zei­gen erwäh­nen Gleit­zeit, Homeof­fice oder Vertrau­ens­ar­beits­zeit – 2019 lag der Anteil noch unter 30 Prozent.4

Wo die meisten Stellen­an­zei­gen schei­tern

Trotz des Benefits-Booms machen viele Ausbil­dungs­be­triebe weiter­hin grund­le­gende Fehler bei der Gestal­tung ihrer Stellen­an­ge­bote:

  • Keine Vergü­tungs­an­gabe: Das größte Infor­ma­ti­ons­de­fi­zit. Wer das Gehalt nicht nennt, wird von Jugend­li­chen oft gar nicht erst in Betracht gezogen.
  • Anfor­de­run­gen statt Angebote: Viele Anzei­gen lesen sich wie Wunsch­lis­ten: Teamfä­hig­keit, Belast­bar­keit, gute Noten. Was der Betrieb im Gegen­zug bietet, bleibt vage.
  • Kein Einblick in den Alltag: 70 Prozent der Jugend­li­chen bevor­zu­gen einen Schnup­per­tag gegen­über einem Image­vi­deo.5 Wer in der Stellen­an­zeige nicht einmal beschreibt, wie ein typischer Ausbil­dungs­tag aussieht, bleibt austausch­bar.
  • Keine Übernah­me­per­spek­tive: Die Angst, nach drei Jahren Ausbil­dung ohne Job dazuste­hen, treibt viele junge Menschen um. Betriebe, die eine Übernah­me­per­spek­tive kommu­ni­zie­ren, haben einen klaren Vorteil. In Südba­den planen laut IHK Südli­cher Oberrhein drei Viertel der Unter­neh­men, ihre Azubis nach dem Abschluss zu überneh­men6 – doch wie viele schrei­ben das auch in ihre Stellen­an­zeige?

Was eine gute Ausbil­dungs-Stellen­an­zeige enthält

Aus den Studi­en­ergeb­nis­sen lässt sich eine klare Check­liste ablei­ten. Eine Stellen­an­zeige, die junge Menschen tatsäch­lich erreicht, beant­wor­tet folgende Fragen:

  • Was verdiene ich während der Ausbil­dung – und danach?
  • Wie sieht mein typischer Arbeits­tag aus?
  • Werde ich nach der Ausbil­dung übernom­men?
  • Welche Zusatz­leis­tun­gen gibt es (Fahrt­kos­ten­zu­schuss, Urlaub, Prämien)?
  • Wie ist das Betriebs­klima – und wer sind meine Kolle­gen?
  • Wie bewerbe ich mich – und wie schnell bekomme ich eine Antwort?

Wer diese Fragen beant­wor­tet, hat bereits mehr getan als die Mehrzahl der Ausbil­dungs­be­triebe in Deutsch­land.

Von der Stellen­an­zeige zum Gespräch

Die beste Stellen­an­zeige ersetzt aller­dings nicht den persön­li­chen Kontakt. Was auf dem Papier verspro­chen wird, muss in der Begeg­nung einge­löst werden. Genau das ist die Stärke regio­na­ler Berufs­mes­sen: Hier können Jugend­li­che und Eltern direkt nachfra­gen – nach dem Gehalt, dem Alltag, den Perspek­ti­ven. Kein Formu­lar, kein Klein­ge­druck­tes.

Auf dem markt­platz arbeit südba­den am 13. und 14. Novem­ber 2026 in der Messe Freiburg stehen Betriebe aus der gesam­ten Region Rede und Antwort – mit über 400 Ausbil­dungs­be­ru­fen, Studi­en­gän­gen und Weiter­bil­dungs­an­ge­bo­ten. Wer eine gute Stellen­an­zeige geschrie­ben hat, kann sie hier mit einem Gesicht verbin­den.


Quellen

  1. Bertels­mann Stiftung: „Unter­neh­men sollten junge Menschen über Ausbil­dungs­an­ge­bote besser infor­mie­ren”, Septem­ber 2025
  2. Deutsch­lands Markt­for­scher: „Ausbil­dungs­per­spek­ti­ven 2025”
  3. Wirtschafts­ju­nio­ren Deutsch­land / WJD: „Was die Genera­tion Z wirklich von Unter­neh­men will”
  4. Bertels­mann Stiftung: „Kampf um die Fachkräfte: Mit welchen Extras Unter­neh­men Bewer­ber locken”, Juli 2025
  5. KOFA – Kompe­tenz­zen­trum Fachkräf­te­si­che­rung: „Berufs­ori­en­tie­rung für Schüler”
  6. IHK Südli­cher Oberrhein / Stadt­an­zei­ger Ortenau: „Ausbil­dungs­markt in Südba­den ist noch stabil”, Novem­ber 2025