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Eindrücke der Messe für Karriere, Studium, Aus- und Weiterbildung marktplatz arbeit südbaden 2025

Persön­lich überzeugt: Warum der Messe­auf­tritt beim Azubi Recrui­ting mehr bringt als jede Online-Börse

Ein Klick auf „Jetzt bewer­ben”, ein hochge­la­de­ner Lebens­lauf, eine automa­ti­sche Eingangs­be­stä­ti­gung – wenn sie denn kommt. So sieht der digitale Bewer­bungs­pro­zess aus, auf den die meisten Betriebe setzen. Effizi­ent, skalier­bar, modern. Und doch schei­tert er an einer Stelle, die kein Algorith­mus lösen kann: an der Frage, ob Mensch und Betrieb zuein­an­der passen.

Das Passungs­pro­blem: Wenn der Vertrag nicht hält

Die Vertrags­lö­sungs­quote in der dualen Berufs­aus­bil­dung hat 2022 einen histo­ri­schen Höchst­stand erreicht: 29,5 Prozent. Insge­samt wurden 155.325 Ausbil­dungs­ver­träge vorzei­tig aufge­löst.1 Gut ein Drittel dieser Lösun­gen geschieht bereits in der Probe­zeit, ein weite­res Drittel noch im ersten Ausbil­dungs­jahr.1

Die Gründe sind laut Bundes­in­sti­tut für Berufs­bil­dung (BIBB) vielfäl­tig: unzurei­chende Berufs­ori­en­tie­rung, falsche Vorstel­lun­gen vom Ausbil­dungs­be­ruf, Konflikte zwischen Ausbil­dungs­per­so­nal und Azubis oder schlicht schlechte Ausbil­dungs­be­din­gun­gen.1 Etwa die Hälfte aller Vertrags­lö­sun­gen sind aller­dings keine endgül­ti­gen Abbrü­che – die Jugend­li­chen wechseln den Betrieb oder den Beruf und begin­nen erneut eine Ausbil­dung.2

Das ändert aber nichts am Schaden für den Betrieb: Einar­bei­tungs­zeit verlo­ren, Stelle wieder offen, Planungs­si­cher­heit dahin.

Warum Online-Bewer­bun­gen das Problem nicht lösen

Die digitale Bewer­bung optimiert den Prozess – aber nicht die Passung. Wer sich online bewirbt, trifft seine Entschei­dung anhand einer Stellen­an­zeige, eines Firmen­lo­gos und vielleicht eines Image­vi­deos. Die DIHK-Ausbil­dungs­um­frage 2025 dokumen­tiert die Konse­quenz: 73 Prozent der Betriebe mit Beset­zungs­schwie­rig­kei­ten geben an, keine geeig­ne­ten Bewer­ber gefun­den zu haben.3 Es fehlt nicht an Bewer­bun­gen. Es fehlt an den richti­gen.

Gleich­zei­tig brechen 48 Prozent der Jugend­li­chen eine Bewer­bung ab, wenn der techni­sche Prozess hakt – etwa weil Dokumente nicht hochge­la­den werden können oder eine Regis­trie­rung verlangt wird.4 Der digitale Kanal filtert also in beide Richtun­gen: Er hält die Falschen nicht fern und schreckt die Richti­gen ab.

Was auf einer Messe anders läuft

Auf einer Berufs­messe findet in wenigen Minuten statt, was online Wochen dauern kann: ein echtes Gespräch. Der Jugend­li­che bekommt einen Eindruck vom Betrieb, der Betrieb einen vom Bewer­ber. Beide können sofort einschät­zen, ob die Chemie stimmt – eine Fähig­keit, die kein Bewer­bungs­for­mu­lar abbil­det.

Drei Vorteile fallen beson­ders ins Gewicht:

  • Sofor­tige Rückmel­dung: Während online sechs von zehn Bewer­bern nie eine Antwort erhal­ten,4 gibt es auf einer Messe unmit­tel­bar Feedback. Das allein ist ein Wettbe­werbs­vor­teil, den viele Betriebe unter­schät­zen.
  • Bessere Vorauswahl: Ein persön­li­ches Gespräch verrät mehr über Motiva­tion und Eignung als jedes Anschrei­ben. Betriebe können direkt einla­den – zum Schnup­per­tag, zum Prakti­kum, zum Vorstel­lungs­ge­spräch.
  • Gerin­ge­res Abbruch­ri­siko: Wer seinen künfti­gen Ausbil­dungs­be­trieb persön­lich kennen­ge­lernt hat, startet mit realis­ti­sche­ren Erwar­tun­gen. Genau die fehlende Berufs­ori­en­tie­rung, die das BIBB als Haupt­grund für Vertrags­lö­sun­gen benennt,1 wird durch den Messe­be­such adres­siert.

Die Zahlen bestä­ti­gen den Effekt

Über 53 Prozent der Jugend­li­chen besuchen bei ihrer Ausbil­dungs­platz­su­che Messen oder Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tun­gen.5 Unter den Betrie­ben, die aktiv auf Recrui­tin­g­mes­sen präsent sind, ist der Rekru­tie­rungs­er­folg laut Branchen­er­he­bun­gen deutlich höher als bei denen, die ausschließ­lich auf digitale Kanäle setzen.6

Das liegt nicht daran, dass Messen grund­sätz­lich besser wären als das Inter­net. Es liegt daran, dass sie etwas leisten, was das Inter­net nicht kann: Vertrauen aufbauen in wenigen Minuten. Für eine Zielgruppe, die zum ersten Mal im Leben eine Berufs­ent­schei­dung trifft, ist das ein entschei­den­der Faktor.

Warum gerade regio­nale Messen den Unter­schied machen

Große überre­gio­nale Karrie­re­por­tale liefern Reich­weite – aber Reich­weite ist nicht das Problem im Azubi Recrui­ting. Das Problem ist, den richti­gen Bewer­ber aus der eigenen Region zu finden, der auch tatsäch­lich in der Nähe arbei­ten will. Regio­nale Messen lösen dieses Problem von vornher­ein: Wer dort hingeht, wohnt in der Gegend, kennt die Betriebe und sucht einen Ausbil­dungs­platz vor Ort.

Der markt­platz arbeit südba­den verbin­det genau diesen regio­na­len Ansatz mit der Breite eines großen Formats: Seit 2005 treffen hier Betriebe aus Freiburg, Emmen­din­gen, dem Breis­gau und dem Markgräf­ler­land auf Jugend­li­che und Familien aus der gesam­ten Region. Über 400 Ausbil­dungs­be­rufe, Studi­en­gänge und Weiter­bil­dungs­an­ge­bote stehen zur Auswahl – nicht als anonyme Listings, sondern als Gesprä­che auf Augen­höhe. Der nächste Termin: 13. und 14. Novem­ber 2026 in der Messe Freiburg.

Fazit

Online-Börsen und persön­li­che Messen sind keine Gegen­sätze – aber sie sind auch nicht gleich­wer­tig. Die Stellen­an­zeige im Inter­net erzeugt Aufmerk­sam­keit. Das Gespräch auf der Messe erzeugt Verbin­dung. In einem Markt, in dem fast jeder dritte Ausbil­dungs­ver­trag vorzei­tig endet, ist diese Verbin­dung kein Nice-to-have. Sie ist der Unter­schied zwischen einer besetz­ten Stelle und einer verlo­re­nen Fachkraft.


Quellen
  1. Bundes­in­sti­tut für Berufs­bil­dung (BIBB): „Vorzei­tige Vertrags­lö­sun­gen / Ausbil­dungs­ab­bruch” / „Vertrags­lö­sungs­quote auf neuem Höchst­stand”
  2. Berufs­bil­dungs­be­richt 2023 / Bundes­agen­tur für Arbeit: „Ausbil­dungs­ab­bruch verhin­dern”
  3. DIHK: DIHK-Ausbil­dungs­um­frage 2025
  4. u‑form Testsys­teme: Studie „Azubi-Recrui­ting Trends 2025”
  5. azubi-recruiting.de: „Azubi finden und binden 2026”
  6. Talent­lot­sen: „Job- und Karrie­re­mes­sen 2025: Ein relevan­ter Recrui­tin­g­ka­nal?”