Collage zum Gap Year mit Freiwilligendienst, Reise und Engagement nach der Schule

Gap Year nach der Schule: FSJ, Bundesfreiwilligendienst, Wehrdienst oder Ausland

Gap Year nach der Schule: FSJ, Bundesfreiwilligendienst, Wehrdienst oder Ausland


Nicht jeder weiß nach dem letzten Schultag schon genau, welcher Beruf oder welches Studium wirklich passt, und viele junge Menschen nutzen deshalb ein Gap Year, also ein Jahr zwischen Schule und Ausbildung oder Studium, um Erfahrungen zu sammeln und sich zu orientieren. Ein solches Jahr kann sehr wertvoll sein, wenn es gut geplant ist, denn ob Freiwilligendienst, Wehrdienst oder Auslandsaufenthalt, jede Variante hat eigene Bewerbungsfristen, Regeln zu Taschengeld und Versicherung sowie Folgen für das Kindergeld.

Dieser Überblick stellt die wichtigsten Möglichkeiten vor, vom Freiwilligen Sozialen Jahr über den Bundesfreiwilligendienst und den neuen freiwilligen Wehrdienst bis zu geförderten Freiwilligendiensten im Ausland, und erklärt, worauf du und deine Eltern achten solltet, damit aus dem Gap Year kein verlorenes Jahr wird.

Was ein Gap Year bringen kann

Ein gut genutztes Gap Year verschafft Zeit, um die eigenen Stärken und Interessen im Alltag kennenzulernen, Verantwortung zu übernehmen und Einblicke in Arbeitsfelder zu gewinnen, die man aus der Schule nicht kennt. Wer etwa überlegt, später in der Pflege, der Sozialen Arbeit oder im Erziehungsbereich zu arbeiten, kann in einem Freiwilligendienst ausprobieren, ob ihm die Arbeit mit Menschen tatsächlich liegt, und gewinnt dabei Erfahrungen, die sich in späteren Bewerbungen gut darstellen lassen.

Entscheidend ist allerdings, das Jahr nicht als Pause, sondern als Etappe zu planen, denn viele Bewerbungsfristen für Ausbildungen, duale Studiengänge und Studienplätze laufen bereits während des Gap Years ab, und wer diese Termine im Blick behält, kann nahtlos anschließen.

Freiwilliges Soziales Jahr und Freiwilliges Ökologisches Jahr

Das Freiwillige Soziale Jahr, kurz FSJ, und das Freiwillige Ökologische Jahr, kurz FÖJ, stehen jungen Menschen offen, die ihre Vollzeitschulpflicht erfüllt haben und noch nicht 27 Jahre alt sind, und dauern in der Regel zwölf Monate, mindestens jedoch sechs und höchstens achtzehn Monate. Neben dem klassischen FSJ in Kliniken, Pflegeeinrichtungen, Kitas oder Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen gibt es Varianten in Kultur, Sport, Politik und Denkmalpflege, sodass sich der Dienst gut an eigenen Interessen ausrichten lässt.

Die Freiwilligen erhalten ein Taschengeld, das nach den gesetzlichen Vorgaben im Jahr 2026 höchstens 676 Euro im Monat betragen darf, häufig ergänzt um Verpflegung oder Unterkunft, und die Beiträge zur Sozialversicherung übernimmt der Träger. Zum Dienst gehören außerdem Bildungsseminare, die bei einem zwölfmonatigen Einsatz mindestens 25 Tage umfassen und Gelegenheit bieten, die eigenen Erfahrungen gemeinsam mit anderen Freiwilligen zu reflektieren.

Bundesfreiwilligendienst für jedes Alter

Der Bundesfreiwilligendienst, kurz BFD, ähnelt dem FSJ in Dauer und Ablauf, kennt aber keine Altersgrenze nach oben und steht damit auch Erwachsenen offen, die sich beruflich neu orientieren oder nach einer Familienphase engagieren möchten, wobei Freiwillige ab 27 Jahren den Dienst auch in Teilzeit mit mehr als 20 Wochenstunden leisten können. Die Einsatzfelder reichen von Bildung, Sozialem und Integration über Umwelt, Kultur und Sport bis zum Zivil- und Katastrophenschutz.

Auch im Bundesfreiwilligendienst gilt für das Taschengeld im Jahr 2026 eine Obergrenze von 676 Euro im Monat, zusätzlich können Einsatzstellen Unterkunft, Verpflegung und Arbeitskleidung stellen sowie Zuschläge für die Fahrtkosten zahlen. Organisiert wird der Dienst vom Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben, über dessen Internetseite sich freie Plätze in der Region suchen lassen.

Der neue freiwillige Wehrdienst

Seit dem 1. Januar 2026 gelten in Deutschland die Regeln für den neuen Wehrdienst, der weiterhin auf Freiwilligkeit beruht, also keine Rückkehr zur allgemeinen Wehrpflicht bedeutet. Alle deutschen Staatsangehörigen ab dem Geburtsjahrgang 2008 erhalten nach ihrem 18. Geburtstag einen Online-Fragebogen der Bundeswehr, den junge Männer beantworten müssen, während die Teilnahme für junge Frauen freiwillig ist.

Wer sich für einen freiwilligen Wehrdienst entscheidet, kann zwischen sechs und elf Monaten dienen und erhält nach Angaben der Bundeswehr rund 2.600 Euro brutto im Monat, und ab einer Verpflichtung von zwölf Monaten wird man Soldatin oder Soldat auf Zeit mit rund 2.700 Euro brutto. Wer eine längere Laufbahn bei der Bundeswehr in Betracht zieht, sollte sich zusätzlich über die Ausbildungs- und Studienangebote der Streitkräfte informieren, die deutlich über den freiwilligen Wehrdienst hinausgehen.

Freiwilligendienst und Gap Year im Ausland

Wer das Gap Year im Ausland verbringen möchte, kann sich für einen der staatlich geförderten Freiwilligendienste bewerben, zu denen der Internationale Jugendfreiwilligendienst, der entwicklungspolitische Freiwilligendienst weltwärts, der Freiwilligendienst kulturweit, das Europäische Solidaritätskorps und der Deutsch-Französische Freiwilligendienst gehören. Diese Programme dauern meist sechs bis zwölf Monate, umfassen eine pädagogische Begleitung mit Vorbereitungsseminaren sowie Taschengeld und Versicherungen, verlangen aber eine lange Vorlaufzeit, denn für manche Programme muss man sich bereits im Januar für eine Ausreise im September bewerben.

Daneben gibt es Angebote wie Work and Travel oder Au-pair-Aufenthalte, bei denen Arbeit und Reisen verbunden werden, die jedoch nicht als Freiwilligendienst gelten und für die je nach Zielland unterschiedliche Visumsregeln und Altersgrenzen zu beachten sind.

Kindergeld im Gap Year

Für Eltern ist die Frage nach dem Kindergeld besonders wichtig, denn während eines anerkannten Freiwilligendienstes wie FSJ, FÖJ, Bundesfreiwilligendienst, Internationalem Jugendfreiwilligendienst oder weltwärts wird das Kindergeld für Kinder unter 25 Jahren weitergezahlt. Zwischen Schulabschluss und Beginn eines solchen Dienstes oder einer Ausbildung darf nach dem Einkommensteuergesetz allerdings eine Übergangszeit von höchstens vier vollen Kalendermonaten liegen.

Wird diese Frist überschritten, etwa weil das Kind nach dem Abitur zunächst mehrere Monate reist, entfällt der Anspruch nach der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs für die gesamte Übergangszeit und nicht nur für die Monate, die über die vier Monate hinausgehen, weshalb sich eine frühzeitige Bewerbung und eine kurze Abstimmung mit der Familienkasse lohnen.

Das Gap Year sinnvoll planen

Wer ein Gap Year einlegen möchte, sollte sich spätestens im letzten Schuljahr entscheiden, welche Variante in Frage kommt, und sich bei FSJ und Bundesfreiwilligendienst etwa ein halbes Jahr im Voraus, bei Auslandsprogrammen meist schon im Winter vor der geplanten Ausreise bewerben. Ebenso wichtig ist es, die Zeit nach dem Gap Year mitzudenken und die Bewerbungsfristen für Ausbildungsplätze, duale Studiengänge oder zulassungsbeschränkte Studienfächer in den Kalender einzutragen, damit die Bewerbungen schon während des Freiwilligendienstes verschickt werden können.

Gap Year und Freiwilligendienste auf marktplatz arbeit südbaden

Auf marktplatz arbeit südbaden, der Messe für Karriere, Studium, Aus- und Weiterbildung, informiert das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben an einem eigenen Stand über den Bundesfreiwilligendienst, und weitere Aussteller aus Sport, Pflege und Gesundheitswesen suchen Freiwillige für ein FSJ oder einen BFD. Die Bundeswehr stellt im Rahmen des Messeschwerpunkts Berufe in Uniform ihre Karrierewege vor und informiert an beiden Messetagen auch in einem Vortrag im Messeforum, sodass sich Freiwilligendienst und Wehrdienst an einem Ort vergleichen lassen.

Die Messe findet am Freitag, 13. November, von 14 bis 18 Uhr und am Samstag, 14. November, von 11 bis 16 Uhr in Halle 1 der Messe Freiburg statt, der Eintritt ist nach einer kostenlosen Registrierung frei, und wer das Gap Year schon mit Blick auf die Zeit danach plant, findet in derselben Halle rund 90 Aussteller mit Ausbildungs-, Studien- und Weiterbildungsangeboten.