Eindrücke von der Messe für Karriere, Studium, Aus- und Weiterbildung marktplatz arbeit südbaden in Freiburg im November 2024. Auszubildende, Schüler und Berufstätige informieren sich zum Thema Berufseinstieg und Karriere bei Unternehmen aus dem Raum Freiburg und Südbaden. marktplatz arbeit südbaden - Die Berufsmesse für die Familie

Fachkräf­te­man­gel in Südba­den: Warum die Azubi-Suche immer schwie­ri­ger wird

Offene Stellen, die monate­lang unbesetzt bleiben. Betriebe, die zum ersten Mal seit Jahrzehn­ten keinen einzi­gen Bewer­ber finden. Der Fachkräf­te­man­gel ist in Südba­den längst kein abstrak­tes Problem mehr – er trifft Handwerks­be­triebe, Indus­trie­un­ter­neh­men und Dienst­leis­ter gleicher­ma­ßen. Und er beginnt dort, wo die Fachkräfte von morgen herkom­men sollten: bei der Ausbil­dung.

Südba­den in Zahlen: So groß ist die Lücke

Laut dem IHK-Fachkräf­te­mo­ni­tor wird der Wirtschaft in der Region des IHK-Bezirks Südli­cher Oberrhein im Jahr 2026 voraus­sicht­lich rund 16.000 Fachkräfte fehlen – das entspricht einer Lücke von 4,4 Prozent.1

Auf dem Ausbil­dungs­markt spiegelt sich das deutlich wider: Zum 30. Septem­ber 2025 wurden in der Region knapp 3.900 neue Ausbil­dungs­ver­träge geschlos­sen – ein Rückgang von über vier Prozent gegen­über dem Vorjahr. Der Bewer­ber­man­gel bleibt das dominie­rende Thema: In der Ortenau kommen rechne­risch nur 80 Bewer­ber auf 100 gemel­dete Ausbil­dungs­stel­len, im Bezirk Freiburg sind es 94 auf 100.2

Allein im Offen­bur­ger Agentur­be­zirk waren Ende Septem­ber 2025 noch 401 Ausbil­dungs­stel­len unbesetzt – obwohl das Ausbil­dungs­jahr längst begon­nen hatte.3

Das Problem ist nicht nur regio­nal – es ist struk­tu­rell

Die DIHK-Ausbil­dungs­um­frage 2025, an der rund 15.000 Unter­neh­men aus ganz Deutsch­land teilnah­men, zeich­net ein alarmie­ren­des Bild: 48 Prozent aller IHK-Ausbil­dungs­be­triebe konnten 2024 nicht alle angebo­te­nen Ausbil­dungs­plätze beset­zen.4

Beson­ders hart trifft es kleine Betriebe: Bei Kleinst­un­ter­neh­men liegt die Unbeset­zungs­quote bei 58 Prozent. Branchen wie das Bauge­werbe, die Gastro­no­mie und das Dienst­leis­tungs­ge­werbe spüren den Mangel beson­ders früh und stark.5

Dazu kommt ein weite­res Problem: 73 Prozent der Betriebe mit Beset­zungs­schwie­rig­kei­ten geben an, dass die Bewer­bun­gen quali­ta­tiv nicht gepasst haben – die sogenann­ten Passungs­pro­bleme nehmen zu.4

Drei Ursachen, die den Fachkräf­te­man­gel verschär­fen

1. Der demogra­fi­sche Wandel

In Baden-Württem­berg gehören nur noch 19 Prozent der Bevöl­ke­rung zur jünge­ren Alters­gruppe, während bereits 27 Prozent zur älteren zählen – und diese Schere geht weiter ausein­an­der.6 Die Zahl der Schul­ab­gän­ger hat sich auf rund 140.000 pro Jahr einge­pen­delt. Das sind etwa 30.000 weniger als noch im Zeitraum 2005 bis 2015.7 Weniger junge Menschen bedeu­ten zwangs­läu­fig weniger poten­zi­elle Azubis.

2. Die Konkur­renz durch das Studium

Eine Mehrheit der jungen Menschen geht laut aktuel­len Befra­gun­gen davon aus, mit einem Studium bessere Verdienst­mög­lich­kei­ten zu haben als mit einer Ausbil­dung.8 Die Folge: Viele Schul­ab­gän­ger entschei­den sich gegen eine Lehre – selbst wenn die prakti­schen Karrie­re­chan­cen in Ausbil­dungs­be­ru­fen hervor­ra­gend sind. Die Ausbil­dung hat ein Image­pro­blem.

3. Die Wirtschafts­lage bremst zusätz­lich

Obwohl Fachkräfte langfris­tig dringend gebraucht werden, reagie­ren viele Betriebe auf die aktuelle Konjunk­tur­schwä­che mit weniger Ausbil­dungs­plät­zen. Laut der DIHK-Umfrage 2025 planen 26 Prozent der Betriebe, ihr Ausbil­dungs­an­ge­bot zu reduzie­ren – nur 15 Prozent wollen mehr Plätze anbie­ten.4 Das verschärft das Problem mittel­fris­tig weiter.

Blick nach vorn: Ohne Gegen­maß­nah­men wird es drama­tisch

Die Progno­sen sind eindeu­tig: Zwischen 2022 und 2035 werden der Wirtschaft in Baden-Württem­berg im Durch­schnitt über 397.000 Fachkräfte pro Jahr fehlen. Ohne Zuwan­de­rung würde sich die Lücke sogar von rund 380.000 auf etwa 580.000 unbesetzte Stellen vergrö­ßern.1

Das Land hat reagiert: Am 1. April 2025 startete die neue Landes­agen­tur für die Zuwan­de­rung von Fachkräf­ten (LZF), um inter­na­tio­nale Fachkräf­te­ge­win­nung geziel­ter zu unter­stüt­zen.9 Doch Zuwan­de­rung allein wird das Problem nicht lösen – gerade kleine und mittlere Betriebe in Südba­den müssen auch vor Ort aktiv werden.

Was Betriebe in Südba­den jetzt tun können

  • Früh Kontakt aufneh­men: Schul­ko­ope­ra­tio­nen, Praktika und Schnup­per­tage helfen, junge Menschen schon vor dem Schul­ab­schluss für den Betrieb zu begeis­tern.
  • Ausbil­dung attrak­ti­ver machen: Gute Vergü­tung, flexi­ble Arbeits­zei­ten und moderne Lernkon­zepte sind für die junge Genera­tion entschei­dende Fakto­ren bei der Berufs­wahl.8
  • Sicht­bar werden: Wer als Betrieb nicht sicht­bar ist, wird nicht gefun­den. Neben einer guten Karrie­re­seite ist die Präsenz auf regio­na­len Veran­stal­tun­gen entschei­dend.
  • Persön­lich überzeu­gen: Der direkte Kontakt auf regio­na­len Berufs­mes­sen ist nach wie vor einer der wirksams­ten Wege, um Azubis zu gewin­nen. In Südba­den bietet der markt­platz arbeit südba­den genau diese Gelegen­heit: Seit 2005 bringt die Karrie­re­messe Betriebe und junge Talente aus der gesam­ten Region Freiburg, Emmen­din­gen, Breis­gau und Markgräf­ler­land zusam­men. Mit über 400 Ausbil­dungs­be­ru­fen, Studi­en­gän­gen und Weiter­bil­dungs­an­ge­bo­ten ist die Messe der zentrale Treff­punkt für die Fachkräfte von morgen. Der nächste Termin: 13. und 14. Novem­ber 2026 in der Messe Freiburg.

Fazit: Der Fachkräf­te­man­gel beginnt bei der Ausbil­dung

Wer heute keine Azubis findet, dem fehlen morgen die Fachkräfte. Der demogra­fi­sche Wandel, der Trend zum Studium und die aktuelle Wirtschafts­lage machen die Azubi-Suche in Südba­den so heraus­for­dernd wie nie. Betriebe, die jetzt in Sicht­bar­keit, attrak­tive Ausbil­dungs­be­din­gun­gen und den persön­li­chen Kontakt auf Messen wie dem markt­platz arbeit südba­den inves­tie­ren, sichern sich die Fachkräfte der Zukunft.


Quellen

  1. IHK-Fachkräf­te­mo­ni­tor Baden-Württem­berg: Fachkräf­te­mo­ni­to­ring BW / IHK Rhein-Neckar: Fachkräf­te­mo­ni­tor 2030
  2. IHK Südli­cher Oberrhein / Stadt­an­zei­ger Ortenau: „Ausbil­dungs­markt in Südba­den ist noch stabil”, Novem­ber 2025
  3. Agentur für Arbeit Freiburg / Schwarz­wäl­der Bote: „Ausbil­dung im Raum Freiburg”, 2025
  4. DIHK: DIHK-Ausbil­dungs­um­frage 2025
  5. Berufs­bil­dungs­be­richt 2025 / Bundes­agen­tur für Arbeit: Ausbil­dungs­markt­bi­lanz 2024/25
  6. Demogra­fie­por­tal des Bundes und der Länder: Baden-Württem­berg demogra­fisch
  7. Statis­ti­sches Landes­amt Baden-Württem­berg: Schüler­vor­aus­be­rech­nung bis 2038
  8. Deutsch­lands Markt­for­scher: „Ausbil­dungs­per­spek­ti­ven 2025”
  9. Demogra­fie­por­tal: Landes­re­gie­rung treibt Fachkräf­te­ge­win­nung voran, Juli 2025