
Fachkräftemangel in Südbaden: Warum die Azubi-Suche immer schwieriger wird
Offene Stellen, die monatelang unbesetzt bleiben. Betriebe, die zum ersten Mal seit Jahrzehnten keinen einzigen Bewerber finden. Der Fachkräftemangel ist in Südbaden längst kein abstraktes Problem mehr – er trifft Handwerksbetriebe, Industrieunternehmen und Dienstleister gleichermaßen. Und er beginnt dort, wo die Fachkräfte von morgen herkommen sollten: bei der Ausbildung.
Südbaden in Zahlen: So groß ist die Lücke
Laut dem IHK-Fachkräftemonitor wird der Wirtschaft in der Region des IHK-Bezirks Südlicher Oberrhein im Jahr 2026 voraussichtlich rund 16.000 Fachkräfte fehlen – das entspricht einer Lücke von 4,4 Prozent.1
Auf dem Ausbildungsmarkt spiegelt sich das deutlich wider: Zum 30. September 2025 wurden in der Region knapp 3.900 neue Ausbildungsverträge geschlossen – ein Rückgang von über vier Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Bewerbermangel bleibt das dominierende Thema: In der Ortenau kommen rechnerisch nur 80 Bewerber auf 100 gemeldete Ausbildungsstellen, im Bezirk Freiburg sind es 94 auf 100.2
Allein im Offenburger Agenturbezirk waren Ende September 2025 noch 401 Ausbildungsstellen unbesetzt – obwohl das Ausbildungsjahr längst begonnen hatte.3
Das Problem ist nicht nur regional – es ist strukturell
Die DIHK-Ausbildungsumfrage 2025, an der rund 15.000 Unternehmen aus ganz Deutschland teilnahmen, zeichnet ein alarmierendes Bild: 48 Prozent aller IHK-Ausbildungsbetriebe konnten 2024 nicht alle angebotenen Ausbildungsplätze besetzen.4
Besonders hart trifft es kleine Betriebe: Bei Kleinstunternehmen liegt die Unbesetzungsquote bei 58 Prozent. Branchen wie das Baugewerbe, die Gastronomie und das Dienstleistungsgewerbe spüren den Mangel besonders früh und stark.5
Dazu kommt ein weiteres Problem: 73 Prozent der Betriebe mit Besetzungsschwierigkeiten geben an, dass die Bewerbungen qualitativ nicht gepasst haben – die sogenannten Passungsprobleme nehmen zu.4
Drei Ursachen, die den Fachkräftemangel verschärfen
1. Der demografische Wandel
In Baden-Württemberg gehören nur noch 19 Prozent der Bevölkerung zur jüngeren Altersgruppe, während bereits 27 Prozent zur älteren zählen – und diese Schere geht weiter auseinander.6 Die Zahl der Schulabgänger hat sich auf rund 140.000 pro Jahr eingependelt. Das sind etwa 30.000 weniger als noch im Zeitraum 2005 bis 2015.7 Weniger junge Menschen bedeuten zwangsläufig weniger potenzielle Azubis.
2. Die Konkurrenz durch das Studium
Eine Mehrheit der jungen Menschen geht laut aktuellen Befragungen davon aus, mit einem Studium bessere Verdienstmöglichkeiten zu haben als mit einer Ausbildung.8 Die Folge: Viele Schulabgänger entscheiden sich gegen eine Lehre – selbst wenn die praktischen Karrierechancen in Ausbildungsberufen hervorragend sind. Die Ausbildung hat ein Imageproblem.
3. Die Wirtschaftslage bremst zusätzlich
Obwohl Fachkräfte langfristig dringend gebraucht werden, reagieren viele Betriebe auf die aktuelle Konjunkturschwäche mit weniger Ausbildungsplätzen. Laut der DIHK-Umfrage 2025 planen 26 Prozent der Betriebe, ihr Ausbildungsangebot zu reduzieren – nur 15 Prozent wollen mehr Plätze anbieten.4 Das verschärft das Problem mittelfristig weiter.
Blick nach vorn: Ohne Gegenmaßnahmen wird es dramatisch
Die Prognosen sind eindeutig: Zwischen 2022 und 2035 werden der Wirtschaft in Baden-Württemberg im Durchschnitt über 397.000 Fachkräfte pro Jahr fehlen. Ohne Zuwanderung würde sich die Lücke sogar von rund 380.000 auf etwa 580.000 unbesetzte Stellen vergrößern.1
Das Land hat reagiert: Am 1. April 2025 startete die neue Landesagentur für die Zuwanderung von Fachkräften (LZF), um internationale Fachkräftegewinnung gezielter zu unterstützen.9 Doch Zuwanderung allein wird das Problem nicht lösen – gerade kleine und mittlere Betriebe in Südbaden müssen auch vor Ort aktiv werden.
Was Betriebe in Südbaden jetzt tun können
- Früh Kontakt aufnehmen: Schulkooperationen, Praktika und Schnuppertage helfen, junge Menschen schon vor dem Schulabschluss für den Betrieb zu begeistern.
- Ausbildung attraktiver machen: Gute Vergütung, flexible Arbeitszeiten und moderne Lernkonzepte sind für die junge Generation entscheidende Faktoren bei der Berufswahl.8
- Sichtbar werden: Wer als Betrieb nicht sichtbar ist, wird nicht gefunden. Neben einer guten Karriereseite ist die Präsenz auf regionalen Veranstaltungen entscheidend.
- Persönlich überzeugen: Der direkte Kontakt auf regionalen Berufsmessen ist nach wie vor einer der wirksamsten Wege, um Azubis zu gewinnen. In Südbaden bietet der marktplatz arbeit südbaden genau diese Gelegenheit: Seit 2005 bringt die Karrieremesse Betriebe und junge Talente aus der gesamten Region Freiburg, Emmendingen, Breisgau und Markgräflerland zusammen. Mit über 400 Ausbildungsberufen, Studiengängen und Weiterbildungsangeboten ist die Messe der zentrale Treffpunkt für die Fachkräfte von morgen. Der nächste Termin: 13. und 14. November 2026 in der Messe Freiburg.
Fazit: Der Fachkräftemangel beginnt bei der Ausbildung
Wer heute keine Azubis findet, dem fehlen morgen die Fachkräfte. Der demografische Wandel, der Trend zum Studium und die aktuelle Wirtschaftslage machen die Azubi-Suche in Südbaden so herausfordernd wie nie. Betriebe, die jetzt in Sichtbarkeit, attraktive Ausbildungsbedingungen und den persönlichen Kontakt auf Messen wie dem marktplatz arbeit südbaden investieren, sichern sich die Fachkräfte der Zukunft.
Quellen
- IHK-Fachkräftemonitor Baden-Württemberg: Fachkräftemonitoring BW / IHK Rhein-Neckar: Fachkräftemonitor 2030
- IHK Südlicher Oberrhein / Stadtanzeiger Ortenau: „Ausbildungsmarkt in Südbaden ist noch stabil“, November 2025
- Agentur für Arbeit Freiburg / Schwarzwälder Bote: „Ausbildung im Raum Freiburg“, 2025
- DIHK: DIHK-Ausbildungsumfrage 2025
- Berufsbildungsbericht 2025 / Bundesagentur für Arbeit: Ausbildungsmarktbilanz 2024/25
- Demografieportal des Bundes und der Länder: Baden-Württemberg demografisch
- Statistisches Landesamt Baden-Württemberg: Schülervorausberechnung bis 2038
- Deutschlands Marktforscher: „Ausbildungsperspektiven 2025″
- Demografieportal: Landesregierung treibt Fachkräftegewinnung voran, Juli 2025
