Eindrücke von der Messe für Karriere, Studium, Aus- und Weiterbildung marktplatz arbeit südbaden in Freiburg im November 2024. Auszubildende, Schüler und Berufstätige informieren sich zum Thema Berufseinstieg und Karriere bei Unternehmen aus dem Raum Freiburg und Südbaden. marktplatz arbeit südbaden - Die Berufsmesse für die Familie

Fachkräf­te­man­gel im Handwerk: Warum Jobmes­sen für Ausbil­dungs­be­triebe unver­zicht­bar sind

Kein Dachde­cker in drei Monaten. Kein Elektri­ker vor dem Herbst. Wer in Deutsch­land einen Handwer­ker braucht, braucht vor allem Geduld. Hinter den langen Warte­zei­ten steckt keine mangelnde Nachfrage – im Gegen­teil. Es fehlt an den Menschen, die die Arbeit erledi­gen könnten. Rund 250.000 Stellen im Handwerk sind bundes­weit unbesetzt. Etwa die Hälfte davon kann rechne­risch gar nicht besetzt werden, weil es schlicht nicht genug Bewer­ber gibt.1

Ein Problem mit beson­de­rer Schärfe

Der Fachkräf­te­man­gel betrifft viele Branchen. Aber das Handwerk trifft er härter als die meisten. Denn Handwerks­leis­tun­gen lassen sich nicht ins Homeof­fice verla­gern, nicht automa­ti­sie­ren und nicht ausla­gern. Wer eine Heizung instal­lie­ren, ein Dach decken oder eine Küche einbauen will, braucht Menschen vor Ort – mit den richti­gen Händen und dem richti­gen Wissen.

Die Zahlen belegen, wo die Lücke am größten klafft: Allein im Bereich Sanitär‑, Heizungs- und Klima­tech­nik konnten im März 2025 mehr als 12.000 Stellen rechne­risch nicht besetzt werden. In der Dachde­cke­rei fehlten über 3.000 quali­fi­zierte Fachkräfte.2 Termine verzö­gern sich, Aufträge müssen verscho­ben oder abgelehnt werden, wie der Zentral­ver­band des Deutschen Handwerks (ZDH) konsta­tiert.1

20.000 leere Lehrstel­len – jedes Jahr

Der Fachkräf­te­man­gel von heute ist der Ausbil­dungs­man­gel von gestern. Jährlich bleiben im deutschen Handwerk rund 20.000 Ausbil­dungs­plätze unbesetzt.3 In Baden-Württem­berg starten zwar über 10.000 Jugend­li­che jedes Jahr eine handwerk­li­che Ausbil­dung – gleich­zei­tig bleiben aber mehr als 7.500 Lehrstel­len offen. Paral­lel fehlen dem Land rund 14.000 quali­fi­zierte Handwerks­fach­kräfte.4

Die Ursachen sind bekannt: Der demogra­fi­sche Wandel reduziert die Zahl der Schul­ab­gän­ger. Der Trend zum Studium lenkt einen wachsen­den Teil davon in die Hörsäle. Und das Image des Handwerks – trotz aufwen­di­ger Kampa­gnen – kämpft noch immer gegen das Vorur­teil, Handwerks­be­rufe seien weniger angese­hen als akade­mi­sche Laufbah­nen.

Südba­den als Licht­blick

Dabei zeigt ausge­rech­net Südba­den, dass die Trend­um­kehr möglich ist. Die Handwerks­kam­mer Freiburg verzeich­nete zum Stich­tag 30. Septem­ber 2025 insge­samt 2.636 neu abgeschlos­sene Ausbil­dungs­ver­träge – ein Plus von sieben Prozent gegen­über dem Vorjahr und das stärkste Wachs­tum seit über zwei Jahrzehn­ten.5

Beson­ders bemer­kens­wert: Der Zuwachs verteilt sich auf die gesamte Region.

  • Ortenau: 847 Verträge (+9,6 Prozent)
  • Freiburg Stadt: 384 Verträge (+8,8 Prozent)
  • Breis­gau-Hochschwarz­wald: 587 Verträge (+7,9 Prozent)
  • Emmen­din­gen: 347 Verträge (+7,1 Prozent)
  • Lörrach: 395 Verträge (+3,7 Prozent)

Einen wesent­li­chen Anteil an diesem Erfolg haben Auszu­bil­dende mit auslän­di­schem Pass: 711 der 2.636 neuen Handwerks­lehr­linge – also gut 27 Prozent – kommen aus dem Ausland.5

Warum gerade das Handwerk die Messe braucht

Was ein Mecha­tro­ni­ker tut, kann man erklä­ren. Was ein Schrei­ner erschafft, muss man sehen. Was ein Bäcker leistet, muss man riechen. Das Handwerk lebt von der Sinnlich­keit seiner Berufe – und genau das lässt sich online kaum vermit­teln. Eine Stellen­an­zeige auf einem Portal kann den Beruf beschrei­ben. Eine Messe kann ihn erleb­bar machen.

Für Handwerks­be­triebe, die oft weder eigene Perso­nal­ab­tei­lun­gen noch große Marke­ting­bud­gets haben, bieten Berufs­mes­sen einen entschei­den­den Vorteil: Sie bringen poten­zi­elle Azubis direkt an den Stand – ohne Streu­ver­lust, ohne digitale Hürden, ohne Ghosting. Gerade Kleinst­be­triebe, bei denen die Unbeset­zungs­quote laut DIHK bei 58 Prozent liegt,6 profi­tie­ren von einem Format, das persön­li­che Überzeu­gungs­kraft belohnt statt Marke­ting-Budgets.

Mit über 130 Berufen gegen das Image­pro­blem

Das Handwerk bietet über 130 Ausbil­dungs­be­rufe – vom Augen­op­ti­ker bis zum Zimme­rer, vom Goldschmied bis zum Anlagen­me­cha­ni­ker. Viele davon sind Jugend­li­chen schlicht nicht bekannt. Die Image­kam­pa­gne des ZDH wirbt seit 2025 unter dem Motto „Wir können alles, was kommt” für die Vielfalt des Handwerks, unter anderem mit TV-Spots zur Prime­time und einer eigenen App namens „Handwerk Heroes”, die spiele­risch Berufs­ori­en­tie­rung bietet.7

Doch Kampa­gnen erzeu­gen Aufmerk­sam­keit – keine Verträge. Der letzte Schritt, die Entschei­dung für einen konkre­ten Betrieb und einen konkre­ten Beruf, fällt fast immer dort, wo ein Gespräch statt­fin­det. Wo ein Meister seinen Alltag schil­dert. Wo ein Azubi erzählt, wie die Ausbil­dung wirklich ist.

Der markt­platz arbeit südba­den: Handwerk trifft Nachwuchs

In Südba­den ist der markt­platz arbeit südba­den genau dieser Ort. Seit 2005 bringt die Karrie­re­messe Betriebe aus der gesam­ten Region – darun­ter zahlrei­che Handwerks­be­triebe – mit Jugend­li­chen und ihren Familien zusam­men. Mit über 400 Ausbil­dungs­be­ru­fen, Studi­en­gän­gen und Weiter­bil­dungs­an­ge­bo­ten deckt die Messe die gesamte Breite der beruf­li­chen Möglich­kei­ten ab.

Für Handwerks­be­triebe bietet das Format einen beson­de­ren Vorteil: Sie können zeigen, was ihre Berufe ausmacht – nicht als Text auf einem Bildschirm, sondern im direk­ten Gespräch, mit Werkstü­cken, mit Geschich­ten aus dem Alltag. Der nächste Termin: 13. und 14. Novem­ber 2026 in der Messe Freiburg.

Fazit

Das Handwerk steht vor einer parado­xen Situa­tion: Die Nachfrage nach seinen Leistun­gen war selten so groß – und die Zahl derer, die diese Leistun­gen erbrin­gen können, war selten so klein. Die Zahlen aus Südba­den zeigen, dass die Trend­wende bei der Nachwuchs­ge­win­nung möglich ist. Aber sie kommt nicht von allein. Sie kommt, wenn Betriebe sicht­bar werden, junge Menschen anspre­chen und dort präsent sind, wo Berufs­ent­schei­dun­gen fallen: auf der Messe, im Gespräch, von Mensch zu Mensch.


Quellen

  1. ZDH – Zentral­ver­band des Deutschen Handwerks: „Fachkräf­te­si­che­rung im Handwerk”
  2. handwerk.cloud: „Fachkräf­te­man­gel im Handwerk: Zahlen & Lösun­gen”
  3. Handels­blatt: „20.000 Lehrstel­len unbesetzt – Handwerk fordert Bildungs­wende”
  4. HANDWERK BW: „Karriere mit Zukunft – das Handwerk feiert seinen Aktions­tag”
  5. Handwerks­kam­mer Freiburg: „Ausbil­dungs­markt in Südba­den ist noch stabil”
  6. DIHK: DIHK-Ausbil­dungs­um­frage 2025
  7. ZDH: Image­kam­pa­gne Handwerk / handwerk.com: „Handwerk startet neue Kampa­gne”