
Duales Studium oder Ausbildung? So findest du den passenden Weg.
Duales Studium oder Ausbildung? So findest du den passenden Weg.
Wer kurz vor dem Abitur oder der Fachhochschulreife steht, hat heute mehr Möglichkeiten als je zuvor, und gerade deshalb fällt die Entscheidung vielen Schülerinnen und Schülern schwer, zumal sich neben Ausbildung und klassischem Studium das duale Studium als dritter Weg etabliert hat. Das duale Studium verspricht, die Vorteile beider Welten zu verbinden, also einen Hochschulabschluss mit praktischer Berufserfahrung und einer regelmäßigen Vergütung, doch es verlangt auch einiges an Disziplin und passt nicht zu jedem Lebensentwurf.
Dieser Überblick erklärt, welche Formen des dualen Studiums es gibt, wie das Modell der Dualen Hochschule Baden-Württemberg funktioniert, welche Fachrichtungen besonders gefragt sind, wann du dich bewerben solltest und worin die Unterschiede zu einer Ausbildung liegen, damit du für den Start im Jahr 2027 eine gut begründete Entscheidung treffen kannst.
Was ein duales Studium ausmacht
Bei einem dualen Studium lernen Studierende an zwei Orten, an einer Hochschule und in einem Unternehmen oder einer Behörde, wobei Theorie und Praxis eng aufeinander abgestimmt sind und die Studierenden in der Regel über die gesamte Studienzeit eine Vergütung erhalten. Das Bundesinstitut für Berufsbildung unterscheidet dabei vor allem zwischen ausbildungsintegrierenden Studiengängen, die ein Studium mit einer anerkannten Berufsausbildung verbinden und meist mit zwei Abschlüssen enden, und praxisintegrierenden Studiengängen, bei denen längere Praxisphasen im Unternehmen fester Bestandteil des Studiums sind.
Nach der jüngsten Auswertung des Instituts waren im Februar 2024 bundesweit 1.824 duale Studiengänge mit insgesamt 113.526 Studierenden erfasst, darunter 565 ausbildungsintegrierende und 990 praxisintegrierende Angebote. Da der Begriff duales Studium allerdings nicht geschützt ist, lohnt sich bei jedem Angebot ein genauer Blick darauf, wie eng Hochschule und Betrieb tatsächlich zusammenarbeiten und ob eine Vergütung vorgesehen ist.
Das Modell der Dualen Hochschule Baden-Württemberg
In Baden-Württemberg ist das duale Studium vor allem mit der Dualen Hochschule Baden-Württemberg verbunden, die mit mehreren Standorten im Land vertreten ist, in Südbaden unter anderem mit dem Campus in Lörrach. Das Studium dauert drei Jahre und beginnt jeweils am 1. Oktober, und Theorie- und Praxisphasen wechseln sich in der Regel alle drei Monate ab, sodass die Studierenden das an der Hochschule Gelernte direkt im Unternehmen anwenden können und am Ende einen Bachelorabschluss mit 210 Leistungspunkten erwerben.
Eine Besonderheit dieses Modells ist der Bewerbungsweg, denn die Bewerbung richtet sich nicht an die Hochschule, sondern direkt an eines der Partnerunternehmen, die sogenannten Dualen Partner, die ihre Studierenden auswählen, einen Studienvertrag mit ihnen schließen und während der gesamten drei Jahre eine Vergütung zahlen, deren Höhe sie selbst festlegen. Nach Angaben der Hochschule werden mehr als 85 Prozent der Absolventinnen und Absolventen von ihrem Dualen Partner übernommen oder unterschreiben schon vor dem Ende des Studiums einen Arbeitsvertrag.
Duales BWL-Studium und andere Fachrichtungen
Die meisten dual Studierenden in Deutschland sind in den Wirtschaftswissenschaften eingeschrieben, wie die Auswertung des Bundesinstituts für Berufsbildung zeigt, die für diese Fachrichtung rund 60.000 Studierende ausweist, gefolgt von den Ingenieurwissenschaften mit rund 42.500 Studierenden. Ein duales Studium in Betriebswirtschaftslehre wird dabei oft mit einem Schwerpunkt kombiniert, etwa in Industrie, Handel, Personalmanagement, Spedition und Logistik, Gesundheitsmanagement oder Finanzdienstleistungen, sodass sich das Studium schon früh an einer Branche ausrichten lässt.
Daneben gibt es duale Studiengänge in der Informatik und Wirtschaftsinformatik, in Data Science und künstlicher Intelligenz, im Maschinenbau, in der Elektrotechnik, im Wirtschaftsingenieurwesen sowie im Gesundheits- und Sozialwesen, etwa in der Sozialen Arbeit oder in der Hebammenwissenschaft. Wer sich zwischen einem BWL-Studium an einer Universität und einem dualen Studium entscheiden muss, sollte vor allem überlegen, ob ihm die enge Verbindung zu einem Unternehmen und der feste Rhythmus aus Theorie und Praxis liegt oder ob er sich lieber mit mehr Freiheit und Zeit für Spezialisierungen orientieren möchte.
Duales Studium im öffentlichen Dienst
Auch Behörden bilden ihren Nachwuchs für den gehobenen Dienst in dualen Studiengängen aus, bei denen die Studierenden als Beamtenanwärterinnen und Beamtenanwärter von Beginn an Bezüge erhalten. Zu den bekanntesten Angeboten gehören das Bachelorstudium für den gehobenen Polizeivollzugsdienst bei der Landespolizei und der Bundespolizei, der Bachelor of Laws für den gehobenen Dienst beim Zoll sowie die Studiengänge für Rechtspflegerinnen und Rechtspfleger und für Gerichtsvollzieherinnen und Gerichtsvollzieher in der Justiz.
Kommunen und die Agentur für Arbeit bieten darüber hinaus duale Studiengänge im Verwaltungsmanagement, im Public Management oder in der Arbeitsmarkt- und Berufsberatung an, die auf eine Laufbahn in der öffentlichen Verwaltung vorbereiten. Gerade im öffentlichen Dienst enden die Bewerbungsfristen allerdings oft sehr früh, weshalb sich ein Blick auf die Termine der jeweiligen Behörde bereits im Herbst des Vorjahres lohnt.
Duales Studium oder Ausbildung im Vergleich
Ein duales Studium setzt in der Regel die Hochschulreife oder Fachhochschulreife voraus und führt in drei Jahren zu einem Bachelorabschluss, ist aber auch deutlich anstrengender als eine Ausbildung, weil Prüfungen, Hausarbeiten und Praxiseinsätze eng aufeinander folgen und klassische Semesterferien durch Praxisphasen im Unternehmen ersetzt werden. Eine Ausbildung lässt dagegen mehr Raum, um im Beruf anzukommen, steht auch ohne Abitur offen und eröffnet mit Aufstiegsfortbildungen wie Fachwirt, Meister oder Techniker ebenfalls Wege in verantwortungsvolle Positionen, die im Deutschen Qualifikationsrahmen auf derselben Stufe eingeordnet sind wie ein Bachelor.
Für die Entscheidung kommt es deshalb weniger darauf an, welcher Weg grundsätzlich besser ist, als darauf, wie du am liebsten lernst, wie viel Zeit du neben Studium oder Ausbildung für anderes benötigst und ob du dich schon jetzt an ein bestimmtes Unternehmen binden möchtest. Bei einem Angebot für ein duales Studium solltest du außerdem nachfragen, ob der Vertrag eine Verpflichtung vorsieht, nach dem Abschluss eine bestimmte Zeit im Unternehmen zu bleiben, und welche Regelungen bei einem vorzeitigen Wechsel gelten.
Wann du dich für einen Start im Oktober 2027 bewerben solltest
Weil Unternehmen ihre dual Studierenden häufig schon ein Jahr vor Studienbeginn auswählen, empfiehlt die Duale Hochschule Baden-Württemberg, die Bewerbung etwa ein Jahr im Voraus an einen Dualen Partner zu richten. Wer im Oktober 2027 starten möchte, befindet sich also bereits jetzt in der entscheidenden Phase, in der Unternehmen ihre Plätze ausschreiben, Auswahlgespräche führen und die ersten Zusagen verschicken.
Hilfreich ist es, sich zunächst auf zwei oder drei Fachrichtungen festzulegen, dann gezielt nach Unternehmen in der Region zu suchen, die in diesen Studiengängen mit einer Hochschule kooperieren, und die Bewerbungsunterlagen so vorzubereiten, dass sie das Interesse am Unternehmen ebenso deutlich machen wie das Interesse am Studienfach.
Duale Studiengänge auf marktplatz arbeit südbaden
Auf marktplatz arbeit südbaden, der Messe für Karriere, Studium, Aus- und Weiterbildung, ist die Duale Hochschule Baden-Württemberg mit ihrem Standort Lörrach vertreten, und zahlreiche Unternehmen und Behörden stellen ihre Studienangebote vor. An 19 Ständen lässt sich ein Bachelorstudium in Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkten von Personalmanagement über Handel und Industrie bis zum Gesundheitsmanagement beginnen, an mehreren weiteren Ständen ein Studium in Informatik, Wirtschaftsinformatik, Data Science, Elektrotechnik, Maschinenbau oder Wirtschaftsingenieurwesen.
Hinzu kommen die dualen Studiengänge von Polizei, Bundespolizei, Zoll, Justiz, Stadtverwaltung und Agentur für Arbeit, wobei Landespolizei, Bundespolizei und Zoll im Messeforum an beiden Tagen zusätzlich in eigenen Vorträgen über ihre Studien- und Karrierewege informieren. Die Messe findet am Freitag, 13. November, von 14 bis 18 Uhr und am Samstag, 14. November, von 11 bis 16 Uhr in Halle 1 der Messe Freiburg statt, der Eintritt ist nach einer kostenlosen Registrierung frei, und mit dem Besuchsplaner auf marktplatzarbeit.com lässt sich vorab ein Rundgang zu allen Ständen mit dualen Studienangeboten zusammenstellen.
