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Azubis gesucht: 7 Fehler, die Betriebe bei der Ausbil­dungs­su­che vermei­den sollten

Es gibt Betriebe, die seit Jahren über fehlende Bewer­ber klagen – und gleich­zei­tig alles dafür tun, genau diese Bewer­ber zu vergrau­len. Nicht aus bösem Willen. Sondern weil sie ihren eigenen Bewer­bungs­pro­zess nie aus der Perspek­tive eines 16-Jähri­gen betrach­tet haben. Die Studie „Azubi-Recrui­ting Trends 2025” von u‑form Testsys­teme legt offen, wo es hakt – mit Zahlen, die man nicht ignorie­ren sollte.1

Fehler 1: Nicht antwor­ten

Es ist der häufigste und zugleich folgen­schwerste Fehler: 60 Prozent der jungen Bewer­be­rin­nen und Bewer­ber geben an, schon einmal auf eine Bewer­bung für einen Ausbil­dungs­platz keiner­lei Rückmel­dung erhal­ten zu haben.1 Kein Eingangs­be­stä­ti­gung, keine Absage, kein Lebens­zei­chen. Der Fachbe­griff dafür ist Ghosting – und er beschreibt ein Phäno­men, das Betriebe teuer zu stehen kommt.

Denn wer einmal geghos­tet wurde, bewirbt sich dort kein zweites Mal. Und erzählt es weiter. In einem Markt, in dem Bewer­ber knapp sind, kann sich das kein Betrieb leisten.

Fehler 2: Bewer­bung nur am Desktop ermög­li­chen

Die Genera­tion Z erledigt nahezu alles auf dem Smart­phone – Bankge­schäfte, Kommu­ni­ka­tion, Einkäufe. Nur bei 62 Prozent der Ausbil­dungs­be­triebe funktio­niert die Bewer­bung auch mobil. Bei 38 Prozent schei­tert der Versuch am kleinen Bildschirm.1

Das klingt nach einem techni­schen Detail. Es ist aber eine Grund­satz­ent­schei­dung: Wer mobile Bewer­bun­gen ausschließt, schließt einen erheb­li­chen Teil der Zielgruppe aus.

Fehler 3: Regis­trie­rung vor der Bewer­bung verlan­gen

Bevor sie sich bewer­ben können, müssen Jugend­li­che bei vielen Unter­neh­men zunächst ein Konto anlegen, eine E‑Mail bestä­ti­gen und ein Passwort festle­gen. Nur 54 Prozent der Betriebe bieten einen regis­trie­rungs­freien Bewer­bungs­pro­zess an.1

Für einen Erwach­se­nen ist das ein Klick mehr. Für einen Jugend­li­chen, der gerade zum ersten Mal eine Bewer­bung schreibt, ist es eine Hürde, an der viele aufge­ben – bevor sie überhaupt angefan­gen haben.

Fehler 4: Auf dem Anschrei­ben bestehen

Das Bewer­bungs­an­schrei­ben ist eine Tradi­tion, die viele Betriebe nicht loslas­sen wollen – obwohl sie auf der Bewer­ber­seite längst überholt ist. Ledig­lich 32 Prozent der Ausbil­dungs­be­triebe verzich­ten darauf.1

Die Ironie: Betriebe bekla­gen, dass Anschrei­ben schlecht formu­liert seien und wenig über die Kandi­da­ten aussag­ten. Gleich­zei­tig machen sie es zur Pflicht. Ein Probe­ar­beits­tag oder ein kurzes Gespräch sagt über die Eignung eines Bewer­bers mehr aus als jeder Dreizei­ler über Teamfä­hig­keit und Motiva­tion.

Fehler 5: Den eigenen Prozess nicht kennen

35 Prozent der Ausbil­dungs­ver­ant­wort­li­chen haben ihren eigenen Bewer­bungs­pro­zess noch nie selbst durch­ge­spielt.1 Sie wissen nicht, wie ihre Stellen­an­zeige auf dem Smart­phone aussieht. Sie wissen nicht, ob der Upload funktio­niert. Sie wissen nicht, wie lange das Formu­lar braucht.

Wer seinen Prozess nicht testet, bemerkt nicht, wenn er Bewer­ber verliert – bis die Stelle am Jahres­ende wieder unbesetzt bleibt.

Fehler 6: Kein klares Anfor­de­rungs­pro­fil definie­ren

Knapp die Hälfte der Betriebe hat kein schrift­lich fixier­tes Anfor­de­rungs­pro­fil für ihre Ausbil­dungs­stel­len.1 Die Folge: Es wird nach Bauch­ge­fühl entschie­den. Bewer­ber werden abgelehnt, ohne dass trans­pa­rent wäre, woran sie geschei­tert sind.

65 Prozent der Betriebe nennen „fehlen­des Wissen über den Ausbil­dungs­be­ruf” als häufigs­ten Ableh­nungs­grund, 47 Prozent schlechte Mathe­ma­tik­no­ten.2 Ob diese Krite­rien für die jewei­lige Stelle tatsäch­lich entschei­dend sind, wird selten hinter­fragt.

Fehler 7: Das Gehalt verschwei­gen

95 Prozent der Jugend­li­chen wünschen sich vor einer Bewer­bung Infor­ma­tio­nen über die Ausbil­dungs­ver­gü­tung. Nur knapp 60 Prozent der Betriebe liefern diese vor dem Bewer­bungs­ge­spräch.3

Dabei ist die Vergü­tung laut aktuel­len Befra­gun­gen der wichtigste Faktor bei der Berufs­wahl: 81 Prozent der Genera­tion Z nennen gute Verdienst­mög­lich­kei­ten als ausschlag­ge­bend.4 Wer das Gehalt bis zum Vorstel­lungs­ge­spräch zurück­hält, verliert vorher alle, die sich ohne diese Infor­ma­tion gar nicht erst bewer­ben.

Das Muster hinter den Fehlern

Alle sieben Fehler haben etwas gemein­sam: Sie entste­hen, weil Betriebe den Bewer­bungs­pro­zess aus ihrer eigenen Perspek­tive gestal­ten – nicht aus der Perspek­tive derje­ni­gen, die sie errei­chen wollen. In einem Markt, in dem bundes­weit 48 Prozent der Ausbil­dungs­be­triebe ihre Stellen nicht beset­zen können,5 reicht es nicht mehr, eine Anzeige zu schal­ten und abzuwar­ten. Wer wissen will, wie Jugend­li­che ticken, muss dorthin gehen, wo sie sich infor­mie­ren. Eine der wirksams­ten Gelegen­hei­ten dafür sind regio­nale Berufs­mes­sen. Hier sitzen keine anony­men Bewer­ber hinter einem Bildschirm – hier stehen echte Menschen vor dem Stand und stellen Fragen. In Südba­den ist der markt­platz arbeit südba­den seit über 20 Jahren genau dieser Ort: Am 13. und 14. Novem­ber 2026 treffen in der Messe Freiburg Betriebe auf junge Talente aus der gesam­ten Region – ohne Regis­trie­rungs­pflicht, ohne Upload­for­mu­lar, ohne Ghosting.


Quellen

  1. u‑form Testsys­teme / Studie „Azubi-Recrui­ting Trends 2025”: Ergeb­nisse bei wirAUS­BIL­DER / Ghosting durch Ausbil­dungs­be­triebe
  2. Haufe / u‑form Testsys­teme: „Azubi-Recrui­ting Trends: Sinkende Nachfrage”
  3. DAA-Stiftung / Bertels­mann Stiftung: „Ausbil­dungs­mar­ke­ting im Fokus: Infor­ma­ti­ons­lü­cken erschwe­ren Bewer­bungs­pro­zesse”
  4. Deutsch­lands Markt­for­scher: „Ausbil­dungs­per­spek­ti­ven 2025”
  5. DIHK: DIHK-Ausbil­dungs­um­frage 2025