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Azubi-Suche im Wandel: Von der Stellen­an­zeige zur Ausbil­dungs­messe

Noch vor zwanzig Jahren war die Sache einfach: Ein Betrieb schal­tete eine Anzeige in der Lokal­zei­tung, hängte ein Schild ins Fenster oder meldete die Stelle beim Arbeits­amt. Dann wartete er. In der Regel kamen genug Bewer­bun­gen. In der Regel passte jemand. Diese Zeit ist vorbei – und sie kommt nicht wieder.

Phase 1: Die Zeitungs­an­zeige und das Arbeits­amt

In den Neunzi­ger- und frühen Zweitau­sen­der­jah­ren war das Recrui­ting von Auszu­bil­den­den ein lokales Geschäft. Die Tages­zei­tung war das wichtigste Medium, das Arbeits­amt die wichtigste Insti­tu­tion. Viele Lehrstel­len wurden über persön­li­che Netzwerke verge­ben: Der Sohn des Nachbarn, die Tochter einer Mitar­bei­te­rin, der Prakti­kant aus der achten Klasse.

Das System funktio­nierte, solange es mehr Bewer­ber als Stellen gab. Es funktio­nierte, solange Jugend­li­che in der Region blieben und eine Ausbil­dung als selbst­ver­ständ­li­cher Berufs­weg galt. Beides hat sich grund­le­gend verän­dert.

Phase 2: Die Jobbörse wird digital

Mit dem Inter­net verla­gerte sich die Suche nach Ausbil­dungs­plät­zen ins Netz. Platt­for­men wie die IHK-Lehrstel­len­börse, die Jobbörse der Bundes­agen­tur für Arbeit und spezia­li­sierte Ausbil­dungs­por­tale boten erstmals eine bundes­weite Übersicht. Betriebe konnten ihre Angebote mit wenigen Klicks veröf­fent­li­chen. Jugend­li­che konnten von zuhause aus suchen.

Google wurde zum wichtigs­ten Einstiegs­punkt: 47 Prozent der jungen Menschen nutzen die Suchma­schine „sehr häufig” für die Ausbil­dungs­platz­su­che, weitere 36 Prozent „häufig”.1 Jobbör­sen folgen mit 31 Prozent „sehr häufi­ger” Nutzung.1

Doch mit der Digita­li­sie­rung kam ein neues Problem: die Anony­mi­tät. Eine Stellen­an­zeige im Netz erreicht mehr Menschen als eine in der Zeitung – aber sie sagt weniger. Kein Gesicht, kein Eindruck, kein Gespräch. Der Betrieb wird zu einem Logo auf einem Bildschirm.

Phase 3: Social Media – viel Hoffnung, ernüch­ternde Bilanz

Als Insta­gram und TikTok zur Lebens­welt der Genera­tion Z wurden, entdeck­ten Perso­nal­ab­tei­lun­gen die sozia­len Netzwerke als vermeint­li­chen Königs­weg. Die Zahlen sprechen aller­dings eine andere Sprache: Nur acht Prozent der Jugend­li­chen nutzen Social Media „sehr häufig” für die konkrete Suche nach Ausbil­dungs­plät­zen.1

Gleich­zei­tig gibt es einen bemer­kens­wer­ten Anstieg bei der Berufs­ori­en­tie­rung: 30 Prozent der Jugend­li­chen infor­mie­ren sich mittler­weile über Insta­gram, TikTok und ähnli­che Platt­for­men über Berufe – 2022 waren es noch 17 Prozent.2 Social Media eignet sich also durch­aus, um Aufmerk­sam­keit und Inter­esse zu wecken. Für den konkre­ten Schritt zur Bewer­bung braucht es aber mehr.

Dabei besteht ein funda­men­ta­les Missver­ständ­nis zwischen Betrie­ben und Jugend­li­chen: 71 Prozent der Unter­neh­men infor­mie­ren über ihre Ausbil­dungs­an­ge­bote auf Facebook – doch nur ein Viertel der Jugend­li­chen sucht dort.3 Umgekehrt nutzen junge Menschen YouTube (47 Prozent), Whats­App (38 Prozent) und TikTok (30 Prozent) weitaus häufi­ger als Betriebe.3

Die Konstante: Der persön­li­che Kontakt

Durch all diese Phasen hindurch gibt es einen Kanal, der nie an Bedeu­tung verlo­ren hat: die persön­li­che Begeg­nung. 43 Prozent der Auszu­bil­den­den sagen, dass prakti­sche Erfah­run­gen wie Praktika ihnen am stärks­ten bei der Berufs­ent­schei­dung gehol­fen haben.2 Über 53 Prozent besuchen Messen oder Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tun­gen bei der Ausbil­dungs­platz­su­che.4

Der Grund dafür liegt auf der Hand: Eine Berufs­ent­schei­dung ist keine Kaufent­schei­dung. Man kann sie nicht mit einer Produkt­be­wer­tung und einem Klick auf „Jetzt bewer­ben” abschlie­ßen. Jugend­li­che wollen sehen, wie ein Betrieb arbei­tet. Sie wollen spüren, ob die Chemie stimmt. Sie wollen Fragen stellen – und zwar nicht einem Chatbot, sondern einem Menschen.

Warum die Messe keine Rückkehr in die Vergan­gen­heit ist

Manche sehen in Berufs­mes­sen ein Relikt aus der analo­gen Welt. Das Gegen­teil ist der Fall. Die Messe von heute ist die Antwort auf die Schwä­chen der digita­len Welt – auf das Ghosting (60 Prozent der Bewer­ber erhal­ten online keine Rückmel­dung5), auf den Kanal­mis­match (Betriebe posten, wo Jugend­li­che nicht suchen), auf die Anony­mi­tät von Stellen­por­ta­len.

Die moderne Berufs­messe ist kein Ersatz für digita­les Recrui­ting. Sie ist seine Ergän­zung – und oft sein entschei­den­der Abschluss. Der Weg führt heute nicht mehr von der Zeitung zur Lehrstelle. Er führt von der Google-Suche über die Karrie­re­seite zum Messe­stand – und von dort zum Vertrag.

Südba­den: Wo dieser Weg seit über 20 Jahren funktio­niert

In Südba­den gibt es eine Veran­stal­tung, die diesen Multi-Channel-Ansatz seit über zwei Jahrzehn­ten verkör­pert: den markt­platz arbeit südba­den. Seit 2005 bringt die Karrie­re­messe in der Messe Freiburg Betriebe und Nachwuchs aus der gesam­ten Region zusam­men – kosten­frei, famili­en­freund­lich und mit einem Angebot, das Ausbil­dung, Studium, Recrui­ting und Weiter­bil­dung unter einem Dach vereint.

Über 100 Ausstel­ler aus Indus­trie, Handwerk, IT, öffent­li­chem Dienst, Gesund­heits­we­sen und vielen weite­ren Branchen präsen­tie­ren dort jedes Jahr ihre Angebote. Nicht als Listings auf einem Portal, sondern als Gesprä­che auf Augen­höhe. Der nächste Termin: 13. und 14. Novem­ber 2026.

Fazit

Die Azubi-Suche hat sich in den vergan­ge­nen zwanzig Jahren grund­le­gend verän­dert. Die Kanäle sind vielfäl­ti­ger gewor­den, die Konkur­renz unter Betrie­ben härter, die Erwar­tun­gen der Jugend­li­chen höher. Geblie­ben ist die eine Erkennt­nis, die durch alle Studien bestä­tigt wird: Am Ende entschei­det nicht die cleverste Anzeige und nicht der beste Algorith­mus. Am Ende entschei­det das Gespräch.


Quellen

  1. Bertels­mann Stiftung: „Ausbil­dungs­platz­su­che: Unter­neh­men und junge Menschen kommu­ni­zie­ren oft anein­an­der vorbei”, August 2024
  2. azubi.report 2024/25: „Die wichtigs­ten Zahlen & Trends zur Ausbil­dung”
  3. recruiting.ausbildung.de: „Jobver­mitt­ler & Karrie­re­pla­ner: So orien­tiert sich die Gen Z beruf­lich”
  4. azubi-recruiting.de: „Azubi finden und binden 2026”
  5. u‑form Testsys­teme: „Ghosting durch Ausbil­dungs­be­triebe”