
Azubi Recruiting Trends 2025: Was die aktuelle Studie zeigt
Einmal im Jahr liefert die Studie „Azubi-Recruiting Trends” von u‑form Testsysteme das umfassendste Bild des deutschen Ausbildungsmarkts. Die Ausgabe 2025, wissenschaftlich begleitet von Professor Christoph Beck an der Hochschule Koblenz, hat über 7.000 Teilnehmende befragt: 5.482 Schülerinnen und Schüler, Auszubildende und dual Studierende auf der einen Seite – 1.621 Ausbildungsverantwortliche auf der anderen.1 Die Ergebnisse zeigen: Der Markt dreht sich. Aber die Betriebe drehen sich nicht mit.
Die Trendwende: Schluss mit dem Bewerbermarkt?
Jahrelang galt der Ausbildungsmarkt als Paradies für Bewerber: Wer eine Lehrstelle suchte, konnte meist zwischen mehreren Angeboten wählen. Diese Zeit scheint vorbei. Nur noch 41,7 Prozent der Befragten geben an, mehrere Ausbildungsangebote erhalten zu haben – der niedrigste Wert seit 2014.1
Die Entwicklung ist dramatisch: 2019 hatten noch 73 Prozent der Bewerber Mehrfachangebote in der Tasche. 2022 waren es 51 Prozent. Jetzt liegt der Wert unter der Hälfte.1 Die Studie spricht von einer Trendwende – ausgelöst durch die Konjunkturschwäche, aber auch durch den Rückzug vieler Betriebe aus der Ausbildung.
Was zunächst wie eine gute Nachricht für Betriebe klingt – weniger Konkurrenz um Bewerber –, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als Warnsignal. Denn weniger Angebote bedeuten nicht automatisch bessere Besetzungen. Sie bedeuten vor allem: weniger junge Menschen, die sich überhaupt für eine Ausbildung entscheiden.
Ghosting: Das stille Versagen der Personalabteilungen
60 Prozent der jungen Bewerberinnen und Bewerber berichten, dass sie auf eine Bewerbung um einen Ausbildungsplatz nie eine Rückmeldung erhalten haben – kein Eingangsbestätigung, keine Absage, nichts.2
Ghosting ist in der Debatte über den Ausbildungsmarkt meist als Problem der Bewerberseite bekannt: Jugendliche, die zum Vorstellungsgespräch nicht erscheinen oder den Ausbildungsvertrag nicht antreten. Dass die Betriebe selbst die größeren Ghoster sind, wird gerne ausgeblendet. Dabei ist die Wirkung fatal: Wer als Jugendlicher lernt, dass Bewerbungen ins Nichts gehen, wird sein Engagement entsprechend anpassen.
Der Bewerbungsprozess: Ein Hindernisparcours
Die Studie legt offen, wie viele Betriebe den Weg zur Bewerbung selbst verbaut haben:1
- 38 Prozent der Ausbildungsbetriebe ermöglichen keine mobile Bewerbung per Smartphone.
- Nur 54 Prozent bieten einen Bewerbungsprozess ohne vorherige Registrierung.
- Lediglich 32 Prozent verzichten auf ein klassisches Anschreiben.
- 35 Prozent der Ausbildungsverantwortlichen haben ihren eigenen Bewerbungsprozess noch nie aus der Perspektive eines Bewerbers durchgespielt.
Es ist, als würde ein Einzelhändler seine Ladentür abschließen und sich wundern, warum keine Kunden kommen.
Auswahl nach Bauchgefühl statt nach Kriterien
49,4 Prozent der befragten Ausbildungsbetriebe haben kein schriftlich fixiertes Anforderungsprofil für ihre Azubi-Stellen.1 Die Auswahl erfolgt nach Eindruck, Sympathie, Intuition – kurz: nach Bauchgefühl.
Die Konsequenz zeigt sich bei den Ablehnungsgründen: 65,4 Prozent der Betriebe nennen „mangelndes Wissen über den Ausbildungsberuf” als häufigsten Grund für eine Ablehnung. 47 Prozent legen Wert auf gute Mathematiknoten.3 Ob diese Kriterien für die jeweilige Stelle tatsächlich relevant sind oder ob sie vor allem dazu dienen, das eigene Bauchgefühl nachträglich zu rationalisieren, wird selten geprüft.
Der blinde Fleck: Betriebsrat als Recruiting-Vorteil
Einer der überraschendsten Befunde der Studie betrifft den Betriebsrat. 71 Prozent der befragten Auszubildenden empfinden einen Betriebsrat oder eine Jugend- und Auszubildendenvertretung als hilfreich. 52 Prozent der Schülerinnen und Schüler sagen, dass ein Betriebsrat ein Unternehmen attraktiver macht.4
Die Betriebe hingegen ignorieren diesen Vorteil fast vollständig: 79 Prozent werben in ihrem Ausbildungsmarketing nicht mit dem eigenen Betriebsrat.4 Es ist ein Mismatch, der symptomatisch für das gesamte Azubi Recruiting steht: Betriebe kommunizieren das, was sie selbst für wichtig halten – nicht das, was die Zielgruppe tatsächlich interessiert.
Feedback: Der unterschätzte Bindungsfaktor
Die Studie zeigt auch, was passiert, wenn der Vertrag erst einmal unterschrieben ist: Nur rund ein Viertel der Auszubildenden erhält regelmäßiges Feedback von ihren Ausbilderinnen und Ausbildern. Fast ebenso viele sagen, sie hätten keine Möglichkeit, selbst Rückmeldung zu geben.5
In einer Generation, die mit permanentem Feedback aufgewachsen ist – durch Likes, Kommentare, Bewertungen –, ist Funkstille in der Ausbildung ein Kündigungsgrund. Die hohe Vertragslösungsquote von 29,5 Prozent6 überrascht vor diesem Hintergrund kaum.
Die Lehren für Betriebe in Südbaden
Die Studie ist kein Stimmungsbild. Sie ist eine Diagnose. Und sie zeigt: Viele Betriebe haben ein Recruiting-Problem, das sie sich selbst geschaffen haben – durch komplizierte Prozesse, fehlende Rückmeldungen und die Weigerung, die Perspektive der Bewerber einzunehmen.
Die gute Nachricht: Jeder dieser Punkte ist veränderbar. Wer den Bewerbungsprozess vereinfacht, schnell antwortet und dort präsent ist, wo Jugendliche nach Orientierung suchen, verschafft sich im aktuellen Markt einen erheblichen Vorsprung.
In Südbaden bietet der marktplatz arbeit südbaden eine der besten Gelegenheiten, diese Erkenntnisse direkt umzusetzen. Am 13. und 14. November 2026 in der Messe Freiburg treffen Betriebe auf die junge Generation – ohne digitale Hürden, ohne Ghosting-Risiko, mit echtem Gespräch. Wer die Studie ernst nimmt, sollte dort dabei sein.
Quellen
- u‑form Testsysteme: Studie „Azubi-Recruiting Trends 2025” – Download
- u‑form Testsysteme: „Ghosting durch Ausbildungsbetriebe”
- Haufe / u‑form: „Azubi-Recruiting Trends: Sinkende Nachfrage”
- wirAUSBILDER: „Azubi-Perspektive verstehen”
- u‑form Testsysteme: Azubi-Recruiting Trends 2025 – Teil 2
- Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB): „Vertragslösungsquote auf neuem Höchststand”
