Eindrücke von der Messe für Karriere, Studium, Aus- und Weiterbildung marktplatz arbeit südbaden in Freiburg im November 2024. Auszubildende, Schüler und Berufstätige informieren sich zum Thema Berufseinstieg und Karriere bei Unternehmen aus dem Raum Freiburg und Südbaden. marktplatz arbeit südbaden - Die Berufsmesse für die Familie

Azubi Recrui­ting Trends 2025: Was die aktuelle Studie zeigt

Einmal im Jahr liefert die Studie „Azubi-Recrui­ting Trends” von u‑form Testsys­teme das umfas­sendste Bild des deutschen Ausbil­dungs­markts. Die Ausgabe 2025, wissen­schaft­lich beglei­tet von Profes­sor Chris­toph Beck an der Hochschule Koblenz, hat über 7.000 Teilneh­mende befragt: 5.482 Schüle­rin­nen und Schüler, Auszu­bil­dende und dual Studie­rende auf der einen Seite – 1.621 Ausbil­dungs­ver­ant­wort­li­che auf der anderen.1 Die Ergeb­nisse zeigen: Der Markt dreht sich. Aber die Betriebe drehen sich nicht mit.

Die Trend­wende: Schluss mit dem Bewer­ber­markt?

Jahre­lang galt der Ausbil­dungs­markt als Paradies für Bewer­ber: Wer eine Lehrstelle suchte, konnte meist zwischen mehre­ren Angebo­ten wählen. Diese Zeit scheint vorbei. Nur noch 41,7 Prozent der Befrag­ten geben an, mehrere Ausbil­dungs­an­ge­bote erhal­ten zu haben – der niedrigste Wert seit 2014.1

Die Entwick­lung ist drama­tisch: 2019 hatten noch 73 Prozent der Bewer­ber Mehrfach­an­ge­bote in der Tasche. 2022 waren es 51 Prozent. Jetzt liegt der Wert unter der Hälfte.1 Die Studie spricht von einer Trend­wende – ausge­löst durch die Konjunk­tur­schwä­che, aber auch durch den Rückzug vieler Betriebe aus der Ausbil­dung.

Was zunächst wie eine gute Nachricht für Betriebe klingt – weniger Konkur­renz um Bewer­ber –, entpuppt sich bei genaue­rer Betrach­tung als Warnsi­gnal. Denn weniger Angebote bedeu­ten nicht automa­tisch bessere Beset­zun­gen. Sie bedeu­ten vor allem: weniger junge Menschen, die sich überhaupt für eine Ausbil­dung entschei­den.

Ghosting: Das stille Versa­gen der Perso­nal­ab­tei­lun­gen

60 Prozent der jungen Bewer­be­rin­nen und Bewer­ber berich­ten, dass sie auf eine Bewer­bung um einen Ausbil­dungs­platz nie eine Rückmel­dung erhal­ten haben – kein Eingangs­be­stä­ti­gung, keine Absage, nichts.2

Ghosting ist in der Debatte über den Ausbil­dungs­markt meist als Problem der Bewer­ber­seite bekannt: Jugend­li­che, die zum Vorstel­lungs­ge­spräch nicht erschei­nen oder den Ausbil­dungs­ver­trag nicht antre­ten. Dass die Betriebe selbst die größe­ren Ghoster sind, wird gerne ausge­blen­det. Dabei ist die Wirkung fatal: Wer als Jugend­li­cher lernt, dass Bewer­bun­gen ins Nichts gehen, wird sein Engage­ment entspre­chend anpas­sen.

Der Bewer­bungs­pro­zess: Ein Hinder­nis­par­cours

Die Studie legt offen, wie viele Betriebe den Weg zur Bewer­bung selbst verbaut haben:1

  • 38 Prozent der Ausbil­dungs­be­triebe ermög­li­chen keine mobile Bewer­bung per Smart­phone.
  • Nur 54 Prozent bieten einen Bewer­bungs­pro­zess ohne vorhe­rige Regis­trie­rung.
  • Ledig­lich 32 Prozent verzich­ten auf ein klassi­sches Anschrei­ben.
  • 35 Prozent der Ausbil­dungs­ver­ant­wort­li­chen haben ihren eigenen Bewer­bungs­pro­zess noch nie aus der Perspek­tive eines Bewer­bers durch­ge­spielt.

Es ist, als würde ein Einzel­händ­ler seine Laden­tür abschlie­ßen und sich wundern, warum keine Kunden kommen.

Auswahl nach Bauch­ge­fühl statt nach Krite­rien

49,4 Prozent der befrag­ten Ausbil­dungs­be­triebe haben kein schrift­lich fixier­tes Anfor­de­rungs­pro­fil für ihre Azubi-Stellen.1 Die Auswahl erfolgt nach Eindruck, Sympa­thie, Intui­tion – kurz: nach Bauch­ge­fühl.

Die Konse­quenz zeigt sich bei den Ableh­nungs­grün­den: 65,4 Prozent der Betriebe nennen „mangeln­des Wissen über den Ausbil­dungs­be­ruf” als häufigs­ten Grund für eine Ableh­nung. 47 Prozent legen Wert auf gute Mathe­ma­tik­no­ten.3 Ob diese Krite­rien für die jewei­lige Stelle tatsäch­lich relevant sind oder ob sie vor allem dazu dienen, das eigene Bauch­ge­fühl nachträg­lich zu ratio­na­li­sie­ren, wird selten geprüft.

Der blinde Fleck: Betriebs­rat als Recrui­ting-Vorteil

Einer der überra­schends­ten Befunde der Studie betrifft den Betriebs­rat. 71 Prozent der befrag­ten Auszu­bil­den­den empfin­den einen Betriebs­rat oder eine Jugend- und Auszu­bil­den­den­ver­tre­tung als hilfreich. 52 Prozent der Schüle­rin­nen und Schüler sagen, dass ein Betriebs­rat ein Unter­neh­men attrak­ti­ver macht.4

Die Betriebe hinge­gen ignorie­ren diesen Vorteil fast vollstän­dig: 79 Prozent werben in ihrem Ausbil­dungs­mar­ke­ting nicht mit dem eigenen Betriebs­rat.4 Es ist ein Mismatch, der sympto­ma­tisch für das gesamte Azubi Recrui­ting steht: Betriebe kommu­ni­zie­ren das, was sie selbst für wichtig halten – nicht das, was die Zielgruppe tatsäch­lich inter­es­siert.

Feedback: Der unter­schätzte Bindungs­fak­tor

Die Studie zeigt auch, was passiert, wenn der Vertrag erst einmal unter­schrie­ben ist: Nur rund ein Viertel der Auszu­bil­den­den erhält regel­mä­ßi­ges Feedback von ihren Ausbil­de­rin­nen und Ausbil­dern. Fast ebenso viele sagen, sie hätten keine Möglich­keit, selbst Rückmel­dung zu geben.5

In einer Genera­tion, die mit perma­nen­tem Feedback aufge­wach­sen ist – durch Likes, Kommen­tare, Bewer­tun­gen –, ist Funkstille in der Ausbil­dung ein Kündi­gungs­grund. Die hohe Vertrags­lö­sungs­quote von 29,5 Prozent6 überrascht vor diesem Hinter­grund kaum.

Die Lehren für Betriebe in Südba­den

Die Studie ist kein Stimmungs­bild. Sie ist eine Diagnose. Und sie zeigt: Viele Betriebe haben ein Recrui­ting-Problem, das sie sich selbst geschaf­fen haben – durch kompli­zierte Prozesse, fehlende Rückmel­dun­gen und die Weige­rung, die Perspek­tive der Bewer­ber einzu­neh­men.

Die gute Nachricht: Jeder dieser Punkte ist verän­der­bar. Wer den Bewer­bungs­pro­zess verein­facht, schnell antwor­tet und dort präsent ist, wo Jugend­li­che nach Orien­tie­rung suchen, verschafft sich im aktuel­len Markt einen erheb­li­chen Vorsprung.

In Südba­den bietet der markt­platz arbeit südba­den eine der besten Gelegen­hei­ten, diese Erkennt­nisse direkt umzuset­zen. Am 13. und 14. Novem­ber 2026 in der Messe Freiburg treffen Betriebe auf die junge Genera­tion – ohne digitale Hürden, ohne Ghosting-Risiko, mit echtem Gespräch. Wer die Studie ernst nimmt, sollte dort dabei sein.


Quellen

  1. u‑form Testsys­teme: Studie „Azubi-Recrui­ting Trends 2025” – Download
  2. u‑form Testsys­teme: „Ghosting durch Ausbil­dungs­be­triebe”
  3. Haufe / u‑form: „Azubi-Recrui­ting Trends: Sinkende Nachfrage”
  4. wirAUS­BIL­DER: „Azubi-Perspek­tive verste­hen”
  5. u‑form Testsys­teme: Azubi-Recrui­ting Trends 2025 – Teil 2
  6. Bundes­in­sti­tut für Berufs­bil­dung (BIBB): „Vertrags­lö­sungs­quote auf neuem Höchst­stand”