Collage zur Erzieherausbildung mit Erzieherin und Kindern in der Kita

Erzieher werden: Ausbildung, Umschulung und Quereinstieg in Baden-Württemberg

Erzieher werden: Ausbildung, Umschulung und Quereinstieg in Baden-Württemberg


Kitas, Horte und Einrichtungen der Jugendhilfe suchen in Südbaden pädagogische Fachkräfte, und viele Menschen, die schon mitten im Berufsleben stehen, fragen sich deshalb, ob eine Umschulung zur Erzieherin oder zum Erzieher für sie in Frage kommt. Die gute Nachricht lautet, dass es in Baden-Württemberg mehrere Wege in den Beruf gibt, darunter eine vergütete praxisintegrierte Ausbildung, die sich auch für Erwachsene mit Familie und Berufserfahrung eignet.

Dieser Überblick erklärt die Ausbildungswege zur Erzieherin und zum Erzieher, die Zugangsvoraussetzungen, die Finanzierung einer Umschulung und die Möglichkeiten für einen Quereinstieg, etwa als Kinderpflegerin, als Schulbegleiter oder in der Kindertagespflege, und zeigt, welche Angebote es auf marktplatz arbeit südbaden gibt.

Zwei Wege zur Erzieherin und zum Erzieher

In Baden-Württemberg wird die Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin und zum staatlich anerkannten Erzieher an Fachschulen für Sozialpädagogik angeboten, und zwar in zwei Formen, die beide zum gleichen Abschluss führen. Bei der klassischen vollzeitschulischen Form folgen auf zwei Jahre überwiegend theoretischer Ausbildung an der Fachschule ein Jahr Berufspraktikum in einer Einrichtung, wobei Bewerberinnen und Bewerber ohne passende Vorerfahrung häufig zunächst ein einjähriges Berufskolleg für Sozialpädagogik besuchen, sodass der Weg insgesamt bis zu vier Jahre dauern kann.

Bei der praxisintegrierten Ausbildung, kurz PiA, sind Unterricht und Praxis dagegen über drei Jahre eng miteinander verzahnt, die Auszubildenden arbeiten an mehreren Tagen pro Woche oder in Blöcken in einer Kita und schließen dafür einen Ausbildungsvertrag mit einem Träger, der ihnen während der gesamten drei Jahre eine Vergütung zahlt. Für Menschen mit familiären Verpflichtungen gibt es außerdem Teilzeitformen, die sich über einen längeren Zeitraum erstrecken.

Voraussetzungen für die Erzieherausbildung

Grundvoraussetzung ist in der Regel ein mittlerer Schulabschluss, ergänzt um einen Nachweis praktischer Erfahrung, der je nach Lebenslauf unterschiedlich aussehen kann, etwa ein abgeschlossenes Berufskolleg für Sozialpädagogik, die Fachhochschulreife oder das Abitur mit Praxiserfahrung oder eine abgeschlossene Berufsausbildung in einem anderen Beruf. Für die praxisintegrierte Ausbildung nennen Fachschulen in Baden-Württemberg als Zugangswege unter anderem eine mindestens zweijährige abgeschlossene Berufsausbildung oder die mindestens dreijährige Führung eines Familienhaushalts mit Kind, jeweils kombiniert mit einem sechswöchigen Praktikum in einer sozialpädagogischen Einrichtung.

Gerade dieser letzte Zugangsweg macht die Ausbildung für Mütter und Väter interessant, die nach einer Familienphase beruflich neu starten möchten, und wer unsicher ist, welche Voraussetzungen im eigenen Fall gelten, sollte sich direkt bei einer Fachschule für Sozialpädagogik beraten lassen.

Umschulung zur Erzieherin und zum Erzieher

Lange Zeit war die Umschulung zur Erzieherin schwer zu finanzieren, weil die Agentur für Arbeit Umschulungen grundsätzlich nur fördert, wenn sie gegenüber der regulären Ausbildung um ein Drittel verkürzt sind, was bei der landesrechtlich geregelten Erzieherausbildung nicht möglich ist. Seit Juli 2023 erlaubt das Sozialgesetzbuch jedoch auch die Förderung von Umschulungen, die aufgrund bundes- oder landesrechtlicher Regelungen nicht verkürzt werden können, sodass eine Erzieherausbildung grundsätzlich über die volle Dauer mit einem Bildungsgutschein gefördert werden kann.

Wer arbeitslos ist oder dem Arbeitslosigkeit droht, sollte deshalb frühzeitig mit der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter sprechen, und wer stattdessen die praxisintegrierte Ausbildung wählt, erhält ohnehin von Beginn an eine Vergütung vom Träger, was den Umstieg aus einem anderen Beruf finanziell deutlich erleichtert.

Quereinstieg in Kita, Schule und Betreuung

Wer nicht gleich eine dreijährige Ausbildung beginnen möchte, kann über verwandte Berufe und Qualifizierungen in die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen einsteigen. Dazu gehört die Ausbildung zur sozialpädagogischen Assistentin oder zum Kinderpfleger, die in Baden-Württemberg ebenfalls praxisintegriert angeboten wird, ebenso wie Qualifizierungen zur Schulbegleitung oder Schulassistenz, mit denen Kinder mit besonderem Unterstützungsbedarf im Schulalltag begleitet werden, und zur Teilhabeassistenz.

Eine weitere Möglichkeit ist die Kindertagespflege, bei der Tagesmütter und Tagesväter nach einer Qualifizierung Kinder im eigenen Haushalt oder in angemieteten Räumen betreuen und dafür eine Pflegeerlaubnis des Jugendamts benötigen. Das Kindertagesbetreuungsgesetz des Landes legt außerdem in einem Fachkräftekatalog fest, welche Berufsabschlüsse in Kitas als pädagogische Fachkraft anerkannt werden, sodass auch Menschen mit bestimmten fachnahen Abschlüssen unter Umständen direkt als Fachkraft arbeiten oder den Fachkraftstatus über eine Nachqualifizierung erreichen können.

Schulfremdenprüfung für Berufserfahrene

Wer bereits längere Zeit in der Kinderbetreuung gearbeitet hat, ohne einen staatlich anerkannten Abschluss zu besitzen, kann den Abschluss als Erzieherin oder Erzieher auch über eine Schulfremdenprüfung erwerben, auf die spezielle Vorbereitungskurse hinführen. Dieser Weg verlangt viel Eigeninitiative und eine gründliche Vorbereitung, eröffnet aber Berufserfahrenen eine Möglichkeit, ihre Kenntnisse mit einem anerkannten Abschluss zu belegen.

Perspektiven nach der Ausbildung

Erzieherinnen und Erzieher arbeiten nicht nur in Kitas, sondern auch in Horten, Ganztagsschulen, Wohngruppen der Jugendhilfe und Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen, und mit der Erfahrung wachsen die Möglichkeiten, eine Gruppen- oder Kitaleitung zu übernehmen. Wer sich weiterqualifizieren möchte, kann nach der Ausbildung ein Studium der Sozialen Arbeit oder der Kindheitspädagogik anschließen, das sich bei manchen Hochschulen durch die Anrechnung der Ausbildung verkürzen lässt, oder eine Weiterbildung etwa in der Heilpädagogik absolvieren.

Erzieherausbildung auf marktplatz arbeit südbaden

Auf marktplatz arbeit südbaden, der Messe für Karriere, Studium, Aus- und Weiterbildung, bieten neun Stände Ausbildungen zur Erzieherin, zur Jugend- und Heimerzieherin oder zur Heilerziehungspflegerin an, darunter Fachschulen für Sozialpädagogik, Wohlfahrtsverbände und die Stadtverwaltung, und an drei Ständen lässt sich die Ausbildung zur sozialpädagogischen Assistentin und zum Kinderpfleger beginnen. Hinzu kommen ein Vorbereitungskurs auf die Schulfremdenprüfung, Qualifizierungen zur Schulassistenz und zur Teilhabeassistenz, die Qualifizierung zur Kindertagespflegeperson am Stand der Fachstelle des Landratsamts sowie Weiterbildungen wie die Teamleitung in der Jugendhilfe.

Die Messe findet am Freitag, 13. November, von 14 bis 18 Uhr und am Samstag, 14. November, von 11 bis 16 Uhr in Halle 1 der Messe Freiburg statt, der Eintritt ist nach einer kostenlosen Registrierung frei, und wer über eine geförderte Umschulung nachdenkt, kann im Karriere-Service-Center der Messe einen kostenlosen Förder-Check zu möglichen finanziellen Hilfen nutzen.