
Fachinformatiker-Ausbildung: Systemintegration oder Anwendungsentwicklung?
Fachinformatiker-Ausbildung: Systemintegration oder Anwendungsentwicklung?
Wer eine Ausbildung in der IT sucht, stößt sehr schnell auf den Beruf Fachinformatikerin oder Fachinformatiker, der zu den beliebtesten Ausbildungsberufen in Deutschland gehört und in der Fachrichtung Systemintegration zuletzt bundesweit unter den fünf Berufen mit den meisten neuen Ausbildungsverträgen lag. Bei der Bewerbung stellt sich dann allerdings die Frage, welche der vier Fachrichtungen die richtige ist, denn hinter der gemeinsamen Berufsbezeichnung verbergen sich sehr unterschiedliche Tätigkeiten vom Aufbau von Netzwerken bis zur Entwicklung von Software.
Dieser Überblick erklärt, worin sich Systemintegration und Anwendungsentwicklung unterscheiden, welche Rolle die beiden jüngeren Fachrichtungen spielen, welche Voraussetzungen Betriebe erwarten, was Auszubildende verdienen und welche Wege sich nach der Ausbildung eröffnen, damit Sie vor Ihrer Bewerbung für eine Ausbildung 2027 eine fundierte Entscheidung treffen können.
Eine Ausbildung mit vier Fachrichtungen
Seit der Neuordnung des Berufs im August 2020 wird die Ausbildung zur Fachinformatikerin oder zum Fachinformatiker in vier Fachrichtungen angeboten, nämlich in der Anwendungsentwicklung, der Systemintegration, der Daten- und Prozessanalyse und der Digitalen Vernetzung. Die beiden bekannten Fachrichtungen Anwendungsentwicklung und Systemintegration wurden dabei inhaltlich modernisiert, während die beiden anderen Fachrichtungen neu hinzukamen, um auf die wachsende Bedeutung von Daten und vernetzten Produktionsanlagen zu reagieren.
In allen Fachrichtungen dauert die Ausbildung drei Jahre, und die Grundlagen der Informationstechnik, der Datensicherheit und der Arbeit mit Kundinnen und Kunden sind weitgehend gleich, während sich die Inhalte im Laufe der Ausbildung immer stärker auf die jeweilige Fachrichtung und ein vom Betrieb festgelegtes Einsatzgebiet konzentrieren.
Fachinformatiker für Systemintegration
Fachinformatikerinnen und Fachinformatiker für Systemintegration konzipieren, installieren und betreuen vernetzte IT-Systeme, also Server, Netzwerke, Arbeitsplatzrechner und die dazugehörige Software, und zwar für das eigene Unternehmen ebenso wie für externe Kundinnen und Kunden. Sie richten Benutzerkonten und Zugriffsrechte ein, sichern Daten gegen unerlaubte Zugriffe, beheben Störungen und sorgen dafür, dass Systemausfälle möglichst gar nicht erst entstehen.
Diese Fachrichtung eignet sich besonders für Menschen, die gerne praktisch mit Technik arbeiten, Probleme systematisch eingrenzen und auch dann ruhig bleiben, wenn im Unternehmen plötzlich nichts mehr funktioniert und alle auf eine schnelle Lösung warten. Weil nahezu jede Organisation eine funktionierende IT-Infrastruktur braucht, arbeiten Fachinformatikerinnen und Fachinformatiker für Systemintegration nicht nur in IT-Unternehmen, sondern auch in der Industrie, in Kliniken, in Verwaltungen und im Handel.
Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung
Fachinformatikerinnen und Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung entwickeln Softwarelösungen für interne und externe Kundinnen und Kunden, angefangen bei der Analyse der Anforderungen über das Programmieren und Testen bis zur Dokumentation und Übergabe der fertigen Anwendung. Dabei arbeiten sie mit verschiedenen Programmiersprachen, Datenbanken und Entwicklungswerkzeugen und passen bestehende Programme an neue Anforderungen an.
Wer sich für diese Fachrichtung entscheidet, sollte Freude am logischen Denken und an der Arbeit mit Code mitbringen und die Geduld haben, Fehler in einem Programm Schritt für Schritt aufzuspüren, bis eine Anwendung zuverlässig läuft. Im Vergleich zur Systemintegration ist die Arbeit stärker am Schreibtisch und in Projektteams angesiedelt, während Kolleginnen und Kollegen aus der Systemintegration häufiger direkt an Geräten und Netzwerken arbeiten.
Daten- und Prozessanalyse sowie Digitale Vernetzung
In der Fachrichtung Daten- und Prozessanalyse stellen Fachinformatikerinnen und Fachinformatiker sicher, dass Daten in ausreichender Menge und Qualität zur Verfügung stehen, und entwickeln IT-Lösungen für digitale Produktions- und Geschäftsprozesse, etwa um Abläufe in einem Unternehmen anhand von Daten zu verbessern. Die Fachrichtung Digitale Vernetzung beschäftigt sich dagegen mit der Netzwerkinfrastruktur und den Schnittstellen zwischen Netzwerkkomponenten und sogenannten cyber-physischen Systemen, also Maschinen und Anlagen, die über Sensoren und Software miteinander kommunizieren.
Beide Fachrichtungen gibt es erst seit 2020, und sie sind vor allem für Bewerberinnen und Bewerber interessant, die sich besonders für Datenauswertung oder für die Vernetzung von Produktionsanlagen in der Industrie begeistern.
Voraussetzungen für die Ausbildung
Einen bestimmten Schulabschluss schreibt das Gesetz nicht vor, doch die Industrie- und Handelskammern empfehlen gute Noten in Mathematik und Informatik sowie solide Englischkenntnisse, weil Fachliteratur, Software und Dokumentationen häufig auf Englisch verfasst sind. Der Beruf gehört außerdem zu den Ausbildungen, die von Schulabgängerinnen und Schulabgängern mit Fachhochschulreife oder Abitur besonders häufig gewählt werden, sodass Bewerberinnen und Bewerber mit mittlerem Abschluss mit überzeugenden Noten und erkennbarem Interesse an Technik punkten sollten.
Wer bereits privat programmiert, einen eigenen Rechner zusammengebaut oder ein kleines Netzwerk eingerichtet hat, sollte das in der Bewerbung unbedingt erwähnen, denn solche Erfahrungen zeigen Betrieben mehr über die tatsächliche Begeisterung für den Beruf als jede Schulnote.
Ausbildungsdauer und Abschlussprüfung
Die Ausbildung dauert regulär drei Jahre und findet dual im Ausbildungsbetrieb und in der Berufsschule statt, wobei eine Verkürzung bei guten Leistungen möglich ist. Seit der Neuordnung gibt es eine gestreckte Abschlussprüfung, deren erster Teil etwa zur Mitte der Ausbildung stattfindet und bereits in das Gesamtergebnis einfließt, während im zweiten Teil am Ende der Ausbildung unter anderem ein betriebliches Projekt aus der jeweiligen Fachrichtung geplant, umgesetzt und dokumentiert wird.
Ausbildungsvergütung für Fachinformatiker
Nach der jährlichen Auswertung des Bundesinstituts für Berufsbildung erhielten Auszubildende zur Fachinformatikerin oder zum Fachinformatiker in tarifgebundenen Betrieben, also in Betrieben mit einem Tarifvertrag zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften, zum Stand Oktober 2025 im Bundesdurchschnitt 1.211 Euro im ersten, 1.279 Euro im zweiten und 1.356 Euro im dritten Ausbildungsjahr. Damit liegt der Beruf über dem Durchschnitt aller tariflichen Ausbildungsvergütungen, der im selben Jahr bei 1.209 Euro über alle Ausbildungsjahre lag.
Betriebe ohne Tarifbindung dürfen die branchenüblichen Werte um bis zu 20 Prozent unterschreiten, müssen aber mindestens die gesetzliche Mindestausbildungsvergütung zahlen, die für einen Ausbildungsbeginn im Jahr 2027 im ersten Ausbildungsjahr 764 Euro brutto im Monat beträgt, weshalb sich ein Vergleich der Angebote verschiedener Betriebe lohnt.
Weiterbildung, Studium und Umschulung
Nach der Ausbildung können Fachinformatikerinnen und Fachinformatiker sich auf vielfältige Weise spezialisieren, etwa mit Zertifikaten der großen Softwarehersteller, mit Weiterbildungen in Bereichen wie IT-Sicherheit, Datenanalyse oder künstlicher Intelligenz und mit anerkannten Aufstiegsfortbildungen der Industrie- und Handelskammern, die über das Aufstiegs-BAföG gefördert werden können. Wer später an eine Hochschule wechseln möchte, findet mit Informatik, Wirtschaftsinformatik oder Data Science passende Studiengänge, die sich teilweise auch berufsbegleitend absolvieren lassen.
Für Erwachsene, die aus einem anderen Beruf in die IT wechseln möchten, gibt es außerdem die Möglichkeit einer Umschulung zur Fachinformatikerin oder zum Fachinformatiker, die bei Bildungsträgern angeboten wird und unter bestimmten Voraussetzungen von der Agentur für Arbeit gefördert werden kann.
Ausbildung oder Informatikstudium?
Für Abiturientinnen und Abiturienten stellt sich häufig die Frage, ob sie lieber eine Ausbildung beginnen oder direkt Informatik studieren sollen, und die Antwort hängt vor allem davon ab, ob Sie lieber praxisnah lernen und vom ersten Tag an eigenes Geld verdienen oder sich zunächst stärker mit theoretischen Grundlagen beschäftigen möchten. Einen Mittelweg bietet das duale Studium, bei dem ein Unternehmen die praktische Ausbildung übernimmt und die Studierenden parallel an einer Hochschule wie der Dualen Hochschule Baden-Württemberg einen Bachelorabschluss erwerben.
Fachinformatiker-Ausbildung auf marktplatz arbeit südbaden
Auf marktplatz arbeit südbaden, der Messe für Karriere, Studium, Aus- und Weiterbildung, bieten 12 Stände eine Ausbildung zur Fachinformatikerin oder zum Fachinformatiker an, und zwar von der öffentlichen Verwaltung und der Bundeswehr über Kliniken, Energieversorgung und Pharmaindustrie bis zu Anlagenbau, Qualitätssicherung, Medizinprodukten und IT-Beratung. Hinzu kommen Bachelorstudiengänge in Informatik, Wirtschaftsinformatik sowie Data Science und künstlicher Intelligenz, Weiterbildungen etwa in der Datenanalyse, der Webprogrammierung und der Systemadministration sowie Umschulungsangebote für alle, die als Erwachsene in die IT wechseln möchten.
Die Messe findet am Freitag, 13. November, von 14 bis 18 Uhr und am Samstag, 14. November, von 11 bis 16 Uhr in Halle 1 der Messe Freiburg statt, und der Eintritt ist nach einer kostenlosen Registrierung frei. Mit dem Besuchsplaner auf marktplatzarbeit.com können Sie vorab alle Aussteller auswählen, die Fachinformatikerinnen und Fachinformatiker ausbilden, und sich einen nach Standnummern sortierten Rundgang erstellen, um an einem Nachmittag mehrere Betriebe, Fachrichtungen und Studienangebote direkt miteinander zu vergleichen.
