
Warum eine regionale Jobmesse der beste Ort ist, um Azubis zu finden
Die Ausbildungsplätze sind da. Die Bewerber nicht. Seit Jahren klagen Betriebe in ganz Deutschland über leere Briefkästen und ausbleibende Bewerbungen. Gleichzeitig gibt es einen Kanal, der nachweislich funktioniert – und den trotzdem die Mehrheit der Unternehmen ignoriert: die regionale Berufsmesse.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache
58 Prozent aller Auszubildenden in Deutschland haben im Laufe ihrer Berufsorientierung mindestens eine Ausbildungsmesse besucht. Nur zehn Prozent halten solche Veranstaltungen für verzichtbar.1 Über 53 Prozent der Jugendlichen nutzen Messen oder Informationsveranstaltungen aktiv bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz.2
Auf der Unternehmensseite sieht es anders aus: Laut einer Branchenstudie gehen nur 40 Prozent der Betriebe auf Recruitingmessen – sind dort aber deutlich erfolgreicher bei der Azubi-Gewinnung als die 60 Prozent, die fernbleiben.3
Es ist eine bemerkenswerte Schieflage: Die Jugendlichen kommen. Die Betriebe nicht.
Was eine Messe kann, was eine Stellenanzeige nicht kann
Die Studie „Azubi-Recruiting Trends 2025″ dokumentiert ein Problem, das online kaum zu lösen ist: Sechs von zehn Bewerbern erhalten nach dem Absenden ihrer Unterlagen keinerlei Rückmeldung.4 Auf einer Messe passiert das nicht. Hier stehen sich Bewerber und Betrieb gegenüber. Es gibt sofort ein Gespräch, sofort einen Eindruck – in beide Richtungen.
Dass dieser persönliche Kontakt durch kein digitales Format in gleicher Intensität zu ersetzen ist, bestätigen auch die Experten der Talentlotsen-Analyse 2025.3 Der Grund ist einfach: Vertrauen entsteht nicht durch Klicks. Es entsteht durch Begegnung.
Schnuppertag schlägt Imagevideo
Wie stark der Wunsch nach echtem Erleben ist, zeigt eine weitere Zahl: 70 Prozent der Schülerinnen und Schüler bevorzugen einen Schnuppertag im Betrieb gegenüber einem Berufsvideo – das nur 30 Prozent überzeugend finden.5 Eine Berufsmesse liegt auf derselben Linie: Sie bietet Erleben statt Erzählen. Anfassen statt Anschauen.
Der Elternfaktor: Warum Familienmessen besonders wirken
Ein häufig unterschätzter Aspekt: Bei der Berufswahl hören Jugendliche vor allem auf ihre Eltern. 63 Prozent der Schüler geben an, dass ihre Eltern die wichtigste Unterstützung bei der Berufsorientierung sind – weit vor Freunden, Lehrern oder der Berufsberatung. 31 Prozent sehen ihre Eltern sogar als berufliches Vorbild.5
Messen, die gezielt als Familienveranstaltungen konzipiert sind, erreichen deshalb mehr als nur die Jugendlichen selbst. Sie erreichen die Entscheider im Hintergrund. In Südbaden verfolgt der marktplatz arbeit südbaden genau dieses Konzept: Als Karrieremesse für die ganze Familie bringt er seit 2005 Jugendliche, Eltern und Betriebe aus der Region Freiburg, Emmendingen, Breisgau und Markgräflerland zusammen.
Regional statt überregional: Warum der Radius entscheidet
Nicht jede Messe ist gleich. Überregionale Großveranstaltungen mögen beeindruckende Besucherzahlen liefern – doch für einen Handwerksbetrieb in Emmendingen oder ein Dienstleistungsunternehmen in Lörrach zählt vor allem eines: dass die Bewerber aus der Region kommen und auch dort arbeiten wollen.
Regionale Messen filtern dieses Problem vor. Wer dort ausstellt, trifft auf Jugendliche, die in der Nähe wohnen, die Schule vor Ort besuchen und einen Arbeitsweg im Alltag akzeptieren. Die Verbindung ist von Anfang an realistisch – und damit belastbarer als ein Kontakt über eine bundesweite Stellenbörse.
Warum Social Media allein nicht reicht
In vielen Personalabteilungen gilt Social Media als Wundermittel. Doch die Realität ist ernüchternd: In der Rangliste der Kanäle, über die Jugendliche tatsächlich nach Ausbildungsplätzen suchen, landen soziale Netzwerke erst auf Platz zehn.4 Die wichtigsten Wege bleiben die Google-Suche, Karriereseiten von Unternehmen und – der persönliche Kontakt auf Messen.
Das bedeutet nicht, dass Social Media nutzlos wäre. Aber es zeigt: Wer ausschließlich auf digitale Kanäle setzt und den direkten Kontakt auslässt, übersieht den wirksamsten Teil des Recruitings.
Das Comeback der Messe nach Corona
Nach dem pandemiebedingten Einbruch erleben Karrieremessen seit 2023 ein deutliches Comeback. Laut dem Ausstellungs- und Messe-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft (AUMA) zählte die Branche 2023 rund 11,4 Millionen Messebesucher – ein Plus von 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr.3 Auch Ausbildungsmessen verzeichnen wieder steigende Besucherzahlen.
In Südbaden wird der marktplatz arbeit südbaden am 13. und 14. November 2026 in der Messe Freiburg erneut zum zentralen Treffpunkt für Ausbildungssuchende und Arbeitgeber. Mit über 400 Ausbildungsberufen, Studiengängen und Weiterbildungsangeboten ist die Messe die größte Veranstaltung dieser Art in der Region.
Fazit
Berufsmessen sind kein Relikt aus einer analogen Vergangenheit. Sie sind das Gegenstück zu einem digitalen Bewerbungsprozess, der an zu vielen Stellen scheitert – an ausbleibenden Rückmeldungen, an komplizierten Portalen, an fehlender Persönlichkeit. Wer als Betrieb auf einer regionalen Messe präsent ist, zeigt nicht nur, dass er Nachwuchs sucht. Er zeigt, dass er sich die Mühe macht, diesen Nachwuchs auch persönlich zu überzeugen.
Quellen
KOFA – Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung: „Berufsorientierung für Schüler“ / Deutschlands Marktforscher: „Ausbildungsperspektiven 2025″
Haufe / u-form Testsysteme: „Azubi-Recruiting Trends – Wie ticken Azubis?“
azubi-recruiting.de: „Azubi finden und binden 2026″
Talentlotsen: „Job- und Karrieremessen 2025: Ein relevanter Recruitingkanal?“
u-form Testsysteme / wirAUSBILDER: „Ergebnisse der Azubi-Recruiting Trends 2025″
